Jean Paul Zitate
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O ihr dürftigen egoistischen Menschen! [...] dieses Polarleben ist ohnehin so kahl und kalt, wir stehen ohnehin Wochen und Jahre nebeneinander, ohne mit dem Herzen etwas Besseres zu bewegen als unser Blut- bloß ein paar glühende Augenblicke zischen und erlöschen auf dem Eisfeld des Lebens – warum meidet ihr doch alles, was euch aus der Alltäglichkeit zieht, und was euch erinnert, wie man liebt – –
– Jean Paul
Der Krieg ist [...] der Kaiser-Schnitt der Menschheit; er entbindet gewaltsam die Geister.
– Jean Paul
Die Geschichten, die man in der Kindheit las, nehmen etwas vom Zauber unserer eignen Kindheit an.
– Jean Paul
Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.
– Jean Paul
O kann ich nicht denn der kürzere Traum und das Alter verkindern ja schon wieder ein unschuldiges Kind sein, das spielt und nichts weiß, das die Menschen für Eltern hält und das nun einen aus der bunten Blase des Lebens zusammengefallenen Tränentropfen vor sich stehen hat und den Tropfen wieder mit der Pfeife geschickt zum flimmernden Farben-Weltkügelchen aufbläset?
– Jean Paul
Gelehrsamkeit auch darum so imponierend, weil man sie sich nicht durch eine willkürliche Anstrengung ersetzen (verschaffen) kann als das Gefühl, Genieblick usw.
– Jean Paul
Komme nur wieder, Jugend, komme wieder!
– Jean Paul
Da die Männer viel origineller sind, was kein Mädchen errät: so sind oft diese in der Ehe unglücklich, weil sie es nicht voraussehen und fassen.
– Jean Paul
Wenn nun Albano über irgendeine große Idee [...] sich in Flammen gelesen: so mußt' er darüber schreiben, weil der Baumeister glaubte [...], daß in der erziehenden Welt nichts über das Schreiben gehe, nicht einmal Lesen und Sprechen, und daß ein Mensch 30 Jahre mit weniger Ertrag seiner Bildung lese, als ein halbes schreibe.
– Jean Paul
Die alten Briten wurden öfters von tapfern Weibern in Schlachten geführt. – Mehre skandinavische Weiber waren nach Home Seeräuberinnen. – Eine Nordamerikanerin tut auf dem Felde und eine Pariserin im Kaufladen alles, was bei uns der Mann. – Sollte es sonach genug sein, wenn ein Mädchen bloß stickt, strickt und flickt?
– Jean Paul
Nicht aus jeder Asche fliegt ein Phönix auf.
– Jean Paul
Manche geben allen großen Wahrheiten Kleinheit, wenn sie sie nur sagen.
– Jean Paul
Genuß der Ehre hindert den der Natur.
– Jean Paul
Der Mensch nimmt viel leichter, als man glaubt, das Widersprechen und Zurechtweisen auf, nur kein heftiges verträgt er, und wär' es ein gegründetes. Die Herzen sind Blumen: dem leisen fallenden Tau bleiben sie offen, aber vor dem Platzregen verschließen sie sich.
– Jean Paul
Die andere Welt ist keine gleichgestellte Allee und Orangerie, sondern die Baumschule unserer hiesigen Samenschule.
– Jean Paul
Ernste Tätigkeit söhnt zuletzt immer mit dem Leben aus.
– Jean Paul
Bettet doch alte Menschen weich und warm und lasset sie recht genießen, denn weiter vermögen sie nichts mehr; und beschert ihnen gerade im Lebens-Dezember und in ihren längsten Nächten Weihnachtsfeiertage und Christbäume! Sie sind ja auch Kinder, ja zurückwachsende.
– Jean Paul
Der ästhetische Witz, oder der Witz im engsten Sinne, der verkleidete Priester, der jedes Paar kopuliert, tut es mit verschiedenen Trauformeln.
– Jean Paul
Und wie viel ist nicht in der Jurisprudenz Jurisimprudenz, ausgenommen bei Unrechts-Gelehrten!
– Jean Paul
Nicht das Zeitliche, sondern das Ewige bestimmt die Würde des Menschen.
– Jean Paul
Alles Thun kann nur stärken und spornen, nicht stillen.
– Jean Paul
Allerdings, Freund, taugen die Menschen und die Gurken nichts, sobald sie reif sind.
– Jean Paul
Nonnen mager, Mönche fett, Beweis der weiblichen Mäßigkeit.
– Jean Paul
Man hat nicht bei jeder Person denselben Witz. Es gibt Leute, bei denen es unmöglich ist, witzig zu sein. Ein Witziger ist es selten bei einem Witzigen, am wenigsten bei höheren Personen.
– Jean Paul
Die Frau fühlt sich, aber sieht sich nicht; sie ist ganz Herz, und ihre Ohren sind Herz-Ohren. Sich selber und was dazu gehört, nämlich Gründe anzuschauen, wird ihr zu sauer.
– Jean Paul
Die eheliche Liebe selber erhält sich unter der Schneedecke der ehelichen Zänke ganz warm.
– Jean Paul
Die deutsche Sprache bleibt unter allen europäischen Sprachinstrumenten eigentlich als die Orgel – doch soll auch die französische gelten als Schnarrwerk oder Flageolett und die englische als Bootmannspfeife [...].
– Jean Paul
Je mehr man getrunken, desto mehr lobt man den Wirt und sein Bier.
– Jean Paul
Essen nimmt, Trinken gibt Enthusiasmus.
– Jean Paul
Wir kehren zur vorigen Anklage der Weiber zurück. Aber warum sprechen die Männer dieses [frauenfeindliche] Wort so oft aus über Wesen, denen sie den ersten Dank des Lebens schuldig sind, und die von der Natur selber geopfert werden, damit Leben nach Leben erscheine?
– Jean Paul