Das Leid ist eine harte Münze, die wir für alles Wertvolle im Leben, für unsere Kraft, Weisheit und Liebe zahlen müssen. Die Wolke sprach zu mir: „Ich vergehe“; die Nacht sprach: „Ich tauche ein in den feurigen Morgen.“ Der Schmerz sprach: „Ich verharre in tiefem Schweigen als seine Fußspur.“ „Ich sterbe hinein in die Vollendung“, sprach mein Leben zu mir. Die Erde sprach: „Mein Licht küsst deine Gedanken jeden Augenblick.“ „Die Tage vergehen“, sprach die Liebe, „aber ich warte auf dich.“ Der Tod sprach: „Ich fahre das Boot deines Lebens über das Meer.“
- Rabindranath Tagore

Klugwort Reflexion zum Zitat
Rabindranath Tagore setzt in diesem poetischen Zitat die unauflösbare Verbindung zwischen Leid und der Tiefe menschlicher Erfahrungen in Szene. Das Leid, hier als „harte Münze“ beschrieben, wird als notwendiger Preis für alles dargestellt, was im Leben wirklich von Bedeutung ist – wie Liebe, Weisheit und innere Stärke. Dieses Bild erinnert daran, dass bedeutende Errungenschaften und tief empfundene Emotionen oft durch Herausforderungen und Schmerz erlangt werden.
Die metaphorischen Stimmen von Wolke, Nacht, Schmerz und Tod, die in Tagores Worten sprechen, fügen dem Zitat eine spirituelle und philosophische Dimension hinzu. Jede dieser Stimmen repräsentiert einen Aspekt des Lebenszyklus – Vergänglichkeit, Hoffnung, Reflexion und Transformation. Die Wolke, die vergeht, symbolisiert die Unbeständigkeit, während die Nacht, die dem Morgen weicht, Hoffnung auf Erneuerung gibt. Der Schmerz verweist auf die Spuren, die er hinterlässt, und der Tod wird nicht als Ende, sondern als Übergang beschrieben, der das Leben in eine größere Vollendung führt.
Dieses Zitat fordert dazu auf, die Herausforderungen des Lebens nicht als bloße Hindernisse zu sehen, sondern als integralen Bestandteil eines erfüllten Lebens. Tagore lädt uns ein, den Schmerz zu akzeptieren, ihn als Lehrer zu betrachten und in ihm die Spuren von Wachstum und Entwicklung zu erkennen. In einer Welt, die oft danach strebt, Leid zu vermeiden, erinnert uns seine Weisheit daran, dass Tiefe und Schönheit des Lebens gerade durch diese Erfahrungen bereichert werden.
Zitat Kontext
Rabindranath Tagore, ein indischer Dichter, Philosoph und Literaturnobelpreisträger, war bekannt für seine tiefgründige und spirituelle Sichtweise auf das Leben. Dieses Zitat spiegelt seine Vision wider, die das Leben als einen kontinuierlichen Zyklus von Schmerz, Liebe und Erfüllung betrachtet. Tagore schöpfte seine Inspiration aus der indischen Philosophie und Mystik, insbesondere aus den Vedanta-Lehren, die die Einheit von Leben und Tod betonen.
Im historischen Kontext entstand dieses Werk in einer Zeit des Wandels und der Suche nach spiritueller Tiefe, sowohl in Indien als auch weltweit. Tagore, der in einer Ära der britischen Kolonialherrschaft lebte, betrachtete das Leid nicht nur als individuelle Erfahrung, sondern auch als Teil der kollektiven menschlichen Reise. Seine Werke ermutigten dazu, das Leben in all seinen Facetten anzunehmen – mit all seinen Schmerzen und Freuden – und dabei eine tiefere Verbindung zum Universum zu suchen.
Heute bleibt dieses Zitat relevant, da es eine zeitlose Wahrheit über die Natur des menschlichen Daseins vermittelt. Es erinnert uns daran, dass Leid nicht das Ende, sondern oft der Anfang von Weisheit und Erneuerung ist. Tagores Botschaft ist eine Einladung, den Sinn in den Herausforderungen des Lebens zu finden und das Gleichgewicht zwischen Vergänglichkeit und Vollendung zu akzeptieren.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Rabindranath Tagore
- Tätigkeit:
- indischer Dichter, Philosoph, Musiker, Schriftsteller
- Epoche:
- Moderne
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- Emotion:
- Keine Emotion