In das Album meiner Frau In deiner Seele unbeflecktem Adel, In ihrer Unschuld, wurzeln deine Schwächen, Und was die Meisten vor gemeinem Tadel Bewahrt, das ist ihr innerstes Gebrechen. Es könnte Einer dir das Leben rauben, Und wäre dir schon halb dein Blut entquollen, So würdest du ihm noch im Sterben glauben, Er hätt' dir bloß die Ader öffnen wollen. Will die Natur die Schönheit rein entfalten, So darf sie Nichts von ihrem Feind ihr sagen, Sie kann nur dann das Herrlichste gestalten, Doch muß sie seinen Untergang auch wagen. Oft wünscht' ich dir zu deinem vollen Frieden, Du mögtest in der Brust des Feindes lesen, Doch weiß ich wohl, es wird dir nicht beschieden, Denn dieser Mangel trägt dein ganzes Wesen!

- Friedrich Hebbel

Friedrich Hebbel

Klugwort Reflexion zum Zitat

In diesem Gedicht von Friedrich Hebbel wird die Tragik einer unbefleckten Seele beschrieben, die in ihrer Reinheit und Unschuld zugleich Schwächen birgt. Der Gedichtsprecher drückt aus, dass die Reinheit und das edle Wesen des Geliebten – hier symbolisiert durch die Frau – nicht vor den Tücken der Welt schützt. Ihre Unschuld, die für andere Bewunderung hervorruft, ist auch ihre größte Verwundbarkeit. Der Sprecher erkennt, dass ihre Naivität sie dazu bringt, selbst dem größten Feind zu vertrauen und zu glauben, dass dieser ihr Wohl nur im Sinn hat, selbst wenn er ihr schadet.

Das Zitat zeigt die Zerrissenheit zwischen einer idealisierten und reinen Sichtweise der Welt und der Realität der Gefährdung durch die Menschen um einen herum. Hebbel stellt die Natur als eine treibende Kraft dar, die Schönheit und Reinheit erschafft, aber auch die Gefahr mit sich bringt, dass diese in der Konfrontation mit der Welt zugrunde geht. Die Stärke des Charakters der Frau, der hier als unerschütterlich beschrieben wird, ist zugleich ihre Schwäche, da sie den Feinden gegenüber keine Abwehrhaltung zeigt.

Es regt dazu an, über die Beziehung zwischen Unschuld und Schutz nachzudenken. In einer Welt, die nicht immer die Reinheit und Güte schätzt, fordert das Gedicht zur Reflexion über die Bedeutung von Selbstschutz und Wachsamkeit auf. Es erinnert uns daran, dass wahre Stärke oft auch die Fähigkeit umfasst, sich vor schädlichen Einflüssen zu wahren und die Realität der Menschen um uns herum zu erkennen.

Zitat Kontext

Friedrich Hebbel war ein bedeutender deutscher Dramatiker und Dichter des 19. Jahrhunderts, dessen Werke oft Themen wie die menschliche Existenz, moralische Konflikte und die Herausforderungen des Lebens behandelten. Dieses Gedicht reflektiert Hebbels tiefgründige Auseinandersetzung mit der menschlichen Natur, insbesondere der Frage, wie Reinheit und Unschuld in einer Welt voller Gefahren und Konflikte bestehen können.

Historisch betrachtet lebte Hebbel in einer Zeit des Umbruchs, in der traditionelle Werte und Normen zunehmend hinterfragt wurden. In seiner Lyrik und seinen Dramen stellt er oft die Frage nach der Spannung zwischen Idealismus und der harten Realität des Lebens. Das Gedicht über die Frau, die sowohl die Quelle von Schönheit als auch von Schwächen ist, könnte als eine Reflexion über die innere Zerrissenheit der Gesellschaft im Allgemeinen und des Individuums im Besonderen verstanden werden.

Philosophisch steht das Zitat in Verbindung mit Hebbels Sicht auf die menschliche Natur: dass Reinheit und Unschuld nicht automatisch vor den Widrigkeiten des Lebens schützen. In einer Gesellschaft, die von Konflikten und Gegensätzen geprägt ist, sind diese Werte oft verwundbar und können leicht ausgenutzt werden.

Auch heute bleibt das Zitat von Bedeutung, da es uns dazu anregt, über die Zerbrechlichkeit von Idealismus und Unschuld nachzudenken. Es erinnert uns daran, dass das Leben oft von Widersprüchen und Gegensätzen geprägt ist, und fordert uns auf, die Balance zwischen Reinheit und Wachsamkeit zu suchen.

Daten zum Zitat

Autor:
Friedrich Hebbel
Tätigkeit:
deutscher Dramatiker und Lyriker
Epoche:
Realismus
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Emotion:
Keine Emotion