Das Heiligste Wenn zwei sich in einander still versenken, Nicht durch ein schnödes Feuer aufgewiegelt, Nein, keusch in Liebe, die die Unschuld spiegelt, Und schamhaft zitternd, während sie sich tränken; Dann müssen beide Welten sich verschränken, Dann wird die Tiefe der Natur entriegelt, Und aus dem Schöpfungsborn, im Ich entsiegelt, Springt eine Welle, die die Sterne lenken. Was in dem Geist des Mannes, ungestaltet, Und in der Brust des Weibes, kaum empfunden Als Schönstes dämmerte, das muß sich mischen; Gott aber tut, die eben sich entfaltet, Die lichten Bilder seiner jüngsten Stunden Hinzu, die unverkörperten und frischen.

- Friedrich Hebbel

Friedrich Hebbel

Klugwort Reflexion zum Zitat

Friedrich Hebbel beschreibt in diesem Gedicht die tiefgreifende, beinahe heilige Verbindung zweier Menschen, die sich in Liebe vereinen. Es geht ihm nicht um oberflächliche Leidenschaft, sondern um eine keusche, unschuldige Liebe, die die tiefsten Schichten der menschlichen Existenz und der Natur berührt. Diese Verbindung wird als schöpferischer Akt dargestellt, bei dem die Seelen der Liebenden in einer Symbiose verschmelzen und etwas Größeres, Universelles schaffen.

Die Reflexion zeigt, wie Hebbel Liebe als transzendenten Akt versteht, der über das Individuelle hinausgeht. Diese Liebe wird nicht nur als zwischenmenschliche, sondern auch als kosmische Kraft dargestellt, die die Sterne lenkt und die Tiefe der Natur entriegelt. Es ist ein Bild der Reinheit und Erneuerung, das die kreative und spirituelle Dimension der Liebe betont. Dabei verbindet Hebbel das Irdische mit dem Göttlichen, indem er die Liebe als eine Manifestation göttlicher Schöpfungskraft beschreibt.

Das Gedicht inspiriert dazu, Liebe nicht nur als Gefühl, sondern als eine transformative und schöpferische Kraft zu sehen. Es lädt ein, über die Bedeutung von Reinheit, Hingabe und Spiritualität in Beziehungen nachzudenken. Hebbels Worte erinnern daran, dass wahre Liebe die Grenzen von Zeit und Raum überschreiten und den Menschen mit den universellen Kräften des Lebens verbinden kann.

Zitat Kontext

Friedrich Hebbel, ein deutscher Dichter und Dramatiker des 19. Jahrhunderts, war bekannt für seine philosophischen und tiefgründigen Werke, die oft die Verbindungen zwischen Mensch, Natur und Göttlichem erforschten. Dieses Gedicht spiegelt die romantische und idealistische Vorstellung von Liebe wider, die nicht nur menschlich, sondern auch göttlich und schöpferisch ist.

Im historischen Kontext des 19. Jahrhunderts war die Romantik geprägt von der Suche nach dem Heiligen und Transzendenten im Alltag. Hebbels Gedicht verbindet diese romantischen Ideale mit einer fast metaphysischen Sichtweise der Liebe, die er als höchste Ausdrucksform der menschlichen und göttlichen Kreativität darstellt.

Auch heute hat dieses Gedicht eine zeitlose Bedeutung, da es universelle Fragen nach der Natur der Liebe und ihrer schöpferischen Kraft aufwirft. Hebbel lädt dazu ein, über die spirituelle und transformative Dimension der Liebe nachzudenken und sie als Brücke zwischen Mensch und Kosmos zu betrachten.

Daten zum Zitat

Autor:
Friedrich Hebbel
Tätigkeit:
deutscher Dramatiker und Lyriker
Epoche:
Realismus
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Emotion:
Keine Emotion