Zu Gott, den er im Staub verehrte, sprach Einst ein Kalif in seiner letzten Stunde Als einziges Gebet die frommen Worte: "Ich bringe Dir, allein'ger höchster Herrscher, Dir, einzig unbeschränktes Wesen, Alles, Was du entbehrst in Deiner Herrlichkeit Und nur uns Erdenwürmern wolltest gönnen: Schuld, Reue, Elend und Unwissenheit." – Doch hätt' er noch die Hoffnung nennen können.

- Voltaire

Voltaire

Klugwort Reflexion zum Zitat

Voltaires Zitat spiegelt eine Mischung aus tiefer Demut, religiöser Reflexion und subtiler Ironie wider. Der Kalif, der in seiner letzten Stunde spricht, wendet sich mit einem Gebet an Gott, das zugleich ein Lobpreis und eine Anklage ist. Er beschreibt Gott als den „einzig unbeschränkten Herrscher“, der jedoch jene Bürden – Schuld, Reue, Elend und Unwissenheit – nicht selbst trägt, sondern den Menschen auferlegt. Diese Worte zeugen von einer klaren Einsicht in die menschliche Natur und die metaphysische Ordnung, die uns sowohl mit einer höheren Macht als auch mit unserem irdischen Leid verbindet.

Besonders bemerkenswert ist der Schlusssatz, der darauf hinweist, dass der Kalif auch die Hoffnung hätte erwähnen können. Diese Ergänzung öffnet den Raum für Interpretationen: Hoffnung als ein göttliches Geschenk, das selbst inmitten von Elend und Unwissenheit eine Perspektive auf Erlösung und Sinn bietet. Voltaires subtile Ironie schwingt in der Frage mit, ob die menschliche Erfahrung ohne diese Hoffnung noch tragbar wäre. Der Kalif scheint sowohl dankbar als auch resigniert – eine Ambivalenz, die typisch für Voltaires Werk ist.

Das Zitat regt zum Nachdenken darüber an, wie wir unser eigenes Leid und unsere Schwächen sehen. Es erinnert uns daran, dass inmitten unserer menschlichen Begrenztheit die Hoffnung eine zentrale Rolle spielt. Sie ist das, was uns antreibt, über unsere Begrenzungen hinaus zu streben, und gleichzeitig das, was uns mit einer höheren Macht verbinden kann.

Zitat Kontext

Voltaire, einer der einflussreichsten Denker der Aufklärung, war für seine scharfsinnige Kritik an Religion und Gesellschaft bekannt, oft gepaart mit einem tiefgründigen Sinn für Ironie. Dieses Zitat entstammt einer seiner poetischen Reflexionen über die Beziehung zwischen Mensch und Gott. Der Kalif, der im Gebet zu Gott spricht, repräsentiert die menschliche Neigung zur Demut vor einer höheren Macht, aber auch das Streben nach Verständnis für die Lasten des Lebens.

Im Kontext der Aufklärung ist das Gebet des Kalifen besonders aufschlussreich. Es reflektiert die zentralen Fragen jener Zeit: Warum existieren Leid, Schuld und Unwissenheit, wenn Gott allmächtig und gütig ist? Voltaire stellt diese Fragen nicht direkt, sondern lässt den Kalifen durch seine Worte eine subtile Kritik an der menschlichen und göttlichen Ordnung äußern. Der Hinweis auf die Hoffnung am Ende des Zitats ist typisch für Voltaires Stil – ein kleiner Stich, der den Leser zur Selbstreflexion anregt.

Das Zitat bleibt auch heute relevant, da es die universellen Fragen nach Leid und Erlösung, nach menschlicher Begrenztheit und göttlicher Gnade anspricht. Es fordert uns auf, nicht nur über das Wesen Gottes und des Lebens nachzudenken, sondern auch über die Rolle der Hoffnung in unserer Existenz. Hoffnung wird hier als eine Brücke zwischen den unlösbaren Rätseln des Lebens und dem Streben nach einem tieferen Sinn dargestellt.

Daten zum Zitat

Autor:
Voltaire
Tätigkeit:
französischen Schriftsteller, Philosoph und Intellektueller
Epoche:
Aufklärung
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Emotion:
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