Jedermann sollte wenigstens so viel Philosophie und schöne Wissenschaften studieren als nötig ist, um sich die Wollust angenehmer zu machen. Merkten sich dieses unsere Landjunker, Hof-Kavalier, Grafen und andere, sie würden oft über die Wirkung eines Buchs erstaunen. Sie würden kaum glauben, wie sehr Wieland den Champagner erhöhet, seine häufige Rosenfarbe, sein Silberflor, seine leinenen Nebel würden ihnen selbst den Genuß eines guten elastischen Dorf-Mädchens mehr sublimieren.

- Georg Christoph Lichtenberg

Georg Christoph Lichtenberg

Klugwort Reflexion zum Zitat

Georg Christoph Lichtenberg verbindet in diesem Zitat Bildung, Ästhetik und Genuss auf provokative Weise. Er argumentiert, dass das Studium von Philosophie und schönen Wissenschaften nicht nur den Geist bereichert, sondern auch die Sinne und den Genuss verfeinert.

Lichtenberg zeigt mit ironischem Unterton, dass Bildung nicht nur ein abstrakter Wert ist, sondern konkrete Auswirkungen auf die Wahrnehmung und das Erleben von Vergnügen haben kann. Er spricht direkt die privilegierten Schichten seiner Zeit an – Landjunker, Hof-Kavaliere und Grafen – und fordert sie auf, die Kraft der Literatur und Philosophie zu nutzen, um ihre Freuden zu vertiefen und zu veredeln. Das Zitat lädt dazu ein, darüber nachzudenken, wie Bildung unsere Wahrnehmung von Genuss verändert und bereichert.

Die Reflexion zeigt, dass Lichtenbergs Worte sowohl eine Satire auf die Oberflächlichkeit der Oberschicht als auch ein ernsthafter Aufruf zur Bildung sind. Er macht deutlich, dass wahre Freude oft nicht in bloßem Konsum liegt, sondern in der Fähigkeit, die Tiefe und Schönheit der Welt zu erkennen und zu schätzen. Diese Einsicht fordert uns auf, Bildung nicht nur als Mittel zur Karriereförderung zu sehen, sondern als Weg, die Welt und das Leben intensiver und bewusster zu erleben.

Das Zitat erinnert uns daran, dass Genuss nicht allein in äußeren Reizen liegt, sondern durch die Tiefe unserer inneren Erfahrungen gesteigert wird. Es ist ein humorvoller, aber tiefgründiger Appell, Geist und Sinne gleichermaßen zu kultivieren.

Zitat Kontext

Georg Christoph Lichtenberg, ein deutscher Aufklärer und Satiriker des 18. Jahrhunderts, war bekannt für seine scharfsinnigen und oft provokativen Beobachtungen über Gesellschaft und Kultur.

Dieses Zitat stammt aus seinen 'Sudelbüchern', einer Sammlung von Gedanken und Reflexionen, die die sozialen und kulturellen Eigenheiten seiner Zeit kritisch beleuchten. Lichtenberg lebte in einer Ära, in der Bildung zunehmend als ein zentraler Wert betrachtet wurde, jedoch oft nur einer kleinen Elite vorbehalten war. Mit seinen Worten kritisiert er die Ignoranz der Oberschicht und plädiert für eine breitere Wertschätzung von Literatur und Wissenschaft.

Historisch betrachtet ist das Zitat sowohl eine ironische Kritik an der Oberschicht als auch ein Ausdruck des aufklärerischen Gedankens, dass Bildung das Leben bereichert und die Gesellschaft verbessert. Lichtenberg zeigt, dass wahre Kultur nicht im bloßen Konsum von Luxus liegt, sondern in der Fähigkeit, tiefere Zusammenhänge zu erkennen.

Auch heute bleibt das Zitat relevant, da es die Bedeutung von Bildung als Schlüssel zu einem erfüllten Leben betont. Es erinnert daran, dass wahres Verständnis und Genuss Hand in Hand gehen und dass der Geist ebenso kultiviert werden muss wie die Sinne. Lichtenbergs Worte laden dazu ein, das Leben bewusster und mit einer Mischung aus Wissen, Kunst und Genuss zu erleben.

Daten zum Zitat

Autor:
Georg Christoph Lichtenberg
Tätigkeit:
deutscher Schriftsteller, Mathematiker, Physiker und Aphoristiker
Epoche:
Aufklärung
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Emotion:
Keine Emotion