Eine Angst ohne Ziel und Zweck in der Gegenwart und in der Zukunft nichts als endlose Opfer, durch die er nichts erreichen würde - das war es, was seine Tage auf Erden für ihn bereithielten... Was hatte er vom Leben? Welche Aussichten hatte er? Wonach hatte er zu streben? Sollte er nur leben, um zu existieren? Aber schon tausendmal zuvor war er bereit gewesen, seine Existenz für eine Idee, eine Hoffnung, ja sogar für eine Vorstellung aufzugeben. Das Dasein allein war ihm nie genug gewesen; er hatte immer mehr gewollt als das. Vielleicht war es nur die Stärke seines eigenen Verlangens, die ihn glauben ließ, er sei ein Mensch, dem mehr zugestanden wurde als anderen.
- Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Klugwort Reflexion zum Zitat
Fjodor Michailowitsch Dostojewski erfasst in diesem Zitat eine tiefgreifende existenzielle Krise. Der Protagonist empfindet eine tiefe Leere und Sinnlosigkeit in der bloßen Existenz. Sein Wunsch nach Bedeutung, Hoffnung oder einer Idee, die sein Leben rechtfertigt, wird zum zentralen Motiv. Die Passage zeigt die Spannung zwischen der Sehnsucht nach höherem Sinn und der Resignation vor der scheinbaren Absurdität des Lebens.
Diese Reflexion macht deutlich, wie essenziell es für den Menschen ist, eine Richtung oder ein Ziel im Leben zu haben. Die bloße Existenz reicht für viele nicht aus; es bedarf eines tieferen Zwecks, der sie motiviert und antreibt. Gleichzeitig beleuchtet Dostojewski die Gefahren eines überhöhten Verlangens, das sich auf die Vorstellung stützt, dass das Leben einem mehr ‚schuldig‘ sei als anderen. Diese Selbstüberhöhung kann zur Quelle von Enttäuschung und Isolation werden.
Das Zitat inspiriert dazu, über die eigenen Ziele und Erwartungen nachzudenken. Was gibt dem Leben Sinn? Wie finden wir einen Ausgleich zwischen der Sehnsucht nach Höherem und der Akzeptanz des Alltäglichen? Dostojewskis Worte laden dazu ein, sich dieser Fragen bewusst zu stellen und eine Balance zwischen dem Streben nach Idealen und der Wertschätzung der Gegenwart zu finden.
Zitat Kontext
Fjodor Michailowitsch Dostojewski, einer der bedeutendsten Schriftsteller der Weltliteratur, schrieb oft über die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele. Dieses Zitat spiegelt seine Fähigkeit wider, die existenziellen Kämpfe seiner Figuren mit großer psychologischer Tiefe darzustellen. In Werken wie *Schuld und Sühne* oder *Die Brüder Karamasow* thematisierte er immer wieder die Suche nach Sinn und die Spannungen zwischen Glauben, Vernunft und Leidenschaft.
Im historischen Kontext des 19. Jahrhunderts, geprägt von sozialen und geistigen Umbrüchen, hinterfragte Dostojewski die vorherrschenden philosophischen und religiösen Konzepte. Seine Figuren sind oft mit der Frage konfrontiert, ob und wie das Leben in einer zunehmend säkularisierten Welt Bedeutung haben kann.
Auch heute ist dieses Zitat relevant, da es zeitlose Fragen des Menschseins anspricht. In einer modernen Welt, die oft von Sinnkrisen und Individualismus geprägt ist, fordert Dostojewski uns auf, nach authentischen Wegen zu suchen, die Leere der bloßen Existenz mit Bedeutung zu füllen. Seine Worte erinnern daran, wie wichtig es ist, Hoffnung und Ziele zu haben, ohne sich von unrealistischen Erwartungen lähmen zu lassen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Fjodor Michailowitsch Dostojewski
- Tätigkeit:
- russischer Schriftsteller
- Epoche:
- Realismus
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- Emotion:
- Keine Emotion