Mutter sein heißt, kleine Atemzüge hören und leichte Herzschläge, scharfäugig werden wie ein Tier des Waldes für alle Gefahren, mutig sein im stillen wie kein lauter Mann in Waffen, schaffen mit allem Blut, das einem gegeben ist, über sich hinauswachsen in allen Fähigkeiten des Wachens, Hungerns, Liebens und Handelns, vor allem aber sorgen. Mutter sein heißt, in Sorgen glücklich sein.

- Jean-Jacques Rousseau

Jean-Jacques Rousseau

Klugwort Reflexion zum Zitat

Jean-Jacques Rousseau zeichnet in diesem Zitat ein poetisches und zugleich realistisches Bild der Mutterschaft. Er betont die bedingungslose Hingabe und die außergewöhnliche Stärke, die diese Rolle erfordert. Eine Mutter wird zur Wächterin, die mit einem unermüdlichen Instinkt Gefahren erkennt, über sich hinauswächst und ihre eigenen Bedürfnisse zugunsten des Kindes zurückstellt.

Das Bild des stillen Mutes und der unermüdlichen Fürsorge zeigt die einzigartige Verbindung zwischen Mutter und Kind. Rousseau beschreibt Mutterschaft nicht als eine einfache Aufgabe, sondern als einen Zustand, der das ganze Wesen beansprucht und gleichzeitig bereichert. Besonders bemerkenswert ist der Gedanke, dass Mütter in ihren Sorgen Glück finden – eine paradoxe, aber tief wahre Aussage, die die Erfüllung betont, die aus der Hingabe und Verantwortung erwächst.

Das Zitat lädt dazu ein, über die oft unsichtbaren Opfer und Leistungen von Müttern nachzudenken und sie zu würdigen. Es erinnert uns daran, dass Mutterschaft nicht nur eine biologische, sondern auch eine emotionale und moralische Aufgabe ist, die tief in die menschliche Erfahrung eingreift. Rousseaus Worte rufen dazu auf, die Stärke und Schönheit dieser Rolle zu erkennen und zu respektieren.

Zitat Kontext

Jean-Jacques Rousseau, ein bedeutender Denker der Aufklärung, legte in seinem Werk *Émile oder Über die Erziehung* großen Wert auf die Rolle der Mutter in der Erziehung. Er sah die Mutter als die erste Lehrerin, die dem Kind nicht nur Leben schenkt, sondern es auch in den frühen Jahren prägt und schützt.

Zur Zeit Rousseaus war die Mutterrolle oft auf die häusliche Sphäre beschränkt, doch er erhob diese Rolle zu einer zentralen Funktion für die moralische und soziale Entwicklung des Kindes. Sein Lob der Mutterschaft steht im Einklang mit seinem Ideal der Natürlichkeit und der Rückkehr zu grundlegenden menschlichen Werten.

Auch heute hat dieses Zitat eine tiefe Bedeutung. Es erinnert uns daran, dass Mutterschaft eine außergewöhnliche Leistung ist, die weit über die physische Fürsorge hinausgeht. Rousseaus Worte sind eine Hommage an die Mütter und eine Mahnung, die tiefe Bedeutung und den Wert ihrer Arbeit in einer oft anspruchsvollen Welt zu erkennen und zu würdigen.

Daten zum Zitat

Autor:
Jean-Jacques Rousseau
Tätigkeit:
französischsprachiger Schriftsteller, Philosoph und Pädagoge
Epoche:
Aufklärung
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Emotion:
Keine Emotion