Einen Gedanken verfolgen – wie bezeichnend dies Wort! Wir eilen ihm nach, erhaschen ihn, er entwindet sich uns, und die Jagd beginnt von neuem. Der Sieg bleibt zuletzt dem Stärkeren. Ist es der Gedanke, dann läßt er uns nicht ruhen, immer wieder taucht er auf – neckend, quälend, unserer Ohnmacht, ihn zu fassen, spottend. Gelingt es aber der Kraft unseres Geistes, ihn zu bewältigen, dann folgt dem heißen Ringkampf ein beseligendes, unwiderstehliches Bündnis auf Leben und Tod, und die Kinder, die ihm entspringen, erobern die Welt.
- Marie von Ebner-Eschenbach

Klugwort Reflexion zum Zitat
Marie von Ebner-Eschenbach beschreibt in diesem Zitat den dynamischen, manchmal quälenden Prozess des Denkens und der Ideenfindung. Der Gedanke wird als etwas Lebendiges dargestellt, das uns herausfordert und nicht zur Ruhe kommen lässt, bis wir ihn vollständig erfassen. Diese intensive Beschreibung zeigt die schöpferische Kraft, die im Ringen mit Gedanken liegt.
Das Zitat lädt dazu ein, über die eigene Beziehung zu Ideen nachzudenken. Wie oft lassen wir uns von ihnen treiben, ohne sie wirklich zu fassen, oder geben zu früh auf? Ebner-Eschenbach erinnert uns daran, dass wahre Kreativität und Erkenntnis oft durch Beharrlichkeit und Leidenschaft entstehen. Es ist eine Einladung, sich diesem 'Ringkampf' zu stellen und die Belohnung der intellektuellen Erleuchtung zu genießen.
Zitat Kontext
Marie von Ebner-Eschenbach, eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts, war bekannt für ihre tiefgründigen Aphorismen und Reflexionen. Dieses Zitat spiegelt ihre Erfahrung mit dem schöpferischen Prozess wider, der oft von Anstrengung und Triumph geprägt ist.
In einer Zeit, in der Frauen selten als intellektuelle Akteure anerkannt wurden, war Ebner-Eschenbach ein leuchtendes Beispiel für intellektuelle Beharrlichkeit. Ihre Worte inspirieren auch heute dazu, nicht vor der Herausforderung des Denkens zurückzuschrecken, sondern sie als Weg zu persönlichem und kreativem Wachstum zu betrachten.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Marie von Ebner-Eschenbach
- Tätigkeit:
- Österreichische Schriftstellerin
- Epoche:
- Realismus
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- Emotion:
- Keine Emotion