Der Gedankenlose denkt, man habe nur dann einen Gedanken, wenn man ihn hat und in Worte kleidet. Er versteht nicht, daß in Wahrheit nur der ihn hat, der das Wort hat, in das der Gedanke hineinwächst.
- Karl Kraus

Klugwort Reflexion zum Zitat
Karl Kraus’ Zitat zeigt die enge Verbindung zwischen Sprache und Denken. Er argumentiert, dass ein Gedanke nicht einfach durch seine bloße Existenz Bedeutung erlangt, sondern erst durch die passende sprachliche Form. Ohne präzise Worte bleibt der Gedanke unausgereift.
Diese Perspektive fordert uns auf, die Rolle von Sprache in unserem Denken bewusster wahrzunehmen. Oft glauben wir, dass Ideen bereits vollständig existieren, bevor wir sie formulieren. Doch Kraus zeigt, dass der Prozess des Sprechens und Schreibens unser Denken formt und verfeinert.
Seine Worte laden dazu ein, sorgfältiger mit Sprache umzugehen und ihre Macht nicht zu unterschätzen. Die Fähigkeit, Gedanken klar auszudrücken, ist nicht nur eine Frage der Kommunikation, sondern auch der intellektuellen Klarheit.
Letztendlich erinnert Kraus uns daran, dass präzise Sprache das Fundament klaren Denkens ist – und dass echtes Verstehen erst dann entsteht, wenn ein Gedanke in der Sprache seine richtige Form gefunden hat.
Zitat Kontext
Karl Kraus (1874–1936) war ein österreichischer Schriftsteller und scharfer Kritiker von Sprache, Gesellschaft und Medien. In seiner Zeitschrift 'Die Fackel' sezierte er mit beißendem Witz die Missstände seiner Zeit.
Sein Zitat steht im Kontext seiner sprachkritischen Haltung. Er sah die Sprache nicht nur als Werkzeug zur Mitteilung von Gedanken, sondern als formende Kraft. Für Kraus war das richtige Wort der Schlüssel zum klaren Denken, während unpräzise Sprache zu Missverständnissen und Manipulation führt.
Diese Einsicht bleibt heute aktuell, besonders in einer Zeit, in der schnelle Kommunikation oft ungenaue oder verfälschte Informationen verbreitet. Kraus fordert dazu auf, Sprache bewusst und sorgfältig zu nutzen – nicht nur, um Ideen zu vermitteln, sondern um sie überhaupt erst präzise zu denken.
Sein Zitat ist eine Mahnung an alle, die mit Sprache arbeiten: Worte sind nicht nur Hüllen für Gedanken, sondern ihr wesentlicher Bestandteil. Wer Gedanken ohne Sprache glaubt, täuscht sich über deren Klarheit.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Karl Kraus
- Tätigkeit:
- österreichischer Schriftsteller, Publizist, Satiriker und Dramatiker
- Epoche:
- Moderne
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- Emotion:
- Keine Emotion