Die Dummheit ist eine furchtbare Stärke, sie ist ein Fels, der unerschüttert dasteht, wenn auch ein Meer von Vernunft ihm seine Wogen an die Stirne schleudert. Leichtsinn wurde schon oft von einem sanften Hauch der Liebe, öfter noch von dem rauhen Sturmwind der Erfahrung verscheucht, selbst das Laster ist nicht selten vor dem Licht der bessern Überzeugung geflohen, nur die Dummheit hat sich hinter ein festes Bollwerk von Eigensinn verschanzt, pflanzt beim Angriff noch die spitzen Pallisaden der Bosheit drauf und steht so unbesiegbar da.

- Johann Nepomuk Nestroy

Johann Nepomuk Nestroy

Klugwort Reflexion zum Zitat

In diesem Zitat von Johann Nepomuk Nestroy wird die Dummheit als eine fast unüberwindbare, fest etablierte Stärke beschrieben. Nestroy vergleicht die Dummheit mit einem Felsen, der trotz aller rationalen Argumente und Erkenntnisse unerschütterlich bleibt. Es ist bemerkenswert, dass er die Dummheit als einen Zustand beschreibt, der selbst den stärksten Angriffen von Vernunft widersteht und sich sogar noch weiter durch Eigensinn und Bosheit verstärkt. Im Vergleich dazu gibt er an, dass andere menschliche Schwächen wie Leichtsinn oder Laster durch Liebe oder Einsicht in der Regel überwunden werden können, aber die Dummheit bleibt fest und unnachgiebig.

Nestroy weist darauf hin, dass die Dummheit nicht nur eine passive Schwäche ist, sondern eine aktive, auf Abwehr und Trotz gerichtete Stärke. Sie ist nicht nur schwer zu überwinden, sondern wird in vielen Fällen noch verstärkt, wenn sie konfrontiert wird. Die spitzen Pallisaden der Bosheit symbolisieren, wie Dummheit sich in einem defensiven Bollwerk schützt, das auf feindliche Argumente oder Einsichten reagiert, indem es sich hinter Ignoranz und negativen Emotionen verbirgt. Diese Darstellung zeigt die Frustration des Autors darüber, dass Dummheit nicht durch rationale Diskussionen oder moralische Überzeugung beeinflusst werden kann.

Das Zitat fordert uns zu einer Reflexion über den Umgang mit Menschen, die sich in ihrer Dummheit verschließen. Es könnte als ein Aufruf verstanden werden, dass Vernunft und Aufklärung oft nicht ausreichen, um Menschen zu verändern, die sich bewusst oder unbewusst in ihrer Ignoranz verankern. Es ist eine Warnung, dass in der Auseinandersetzung mit solchen Menschen Geduld und Klarheit notwendig sind, um die Pallisaden der Bosheit zu durchbrechen.

Zitat Kontext

Johann Nepomuk Nestroy war ein österreichischer Dramatiker und Satiriker des 19. Jahrhunderts. Er ist bekannt für seine scharfsinnigen und humorvollen Werke, die oft die menschlichen Schwächen und die sozialen Missstände seiner Zeit kritisierten. Nestroy war ein Meister der Ironie und der gesellschaftlichen Satire, wobei er insbesondere die Doppelmoral und das Unverständnis innerhalb der Gesellschaft angriff. In diesem Zitat kritisiert er die menschliche Dummheit und stellt sie als unerschütterlich und unempfänglich für Vernunft und Einsicht dar.

Das Zitat ist Teil von Nestroys philosophischer Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des menschlichen Denkens und Handelns. Es verweist auf die Hartnäckigkeit der Dummheit und die Schwierigkeit, irrationales Verhalten zu verändern. In einer Zeit, in der politische und soziale Strukturen oft von Ignoranz und Unwissenheit geprägt waren, spiegelte Nestroys Kritik die soziale und intellektuelle Realität wider. Nestroy bezieht sich hier auf die Tatsache, dass Dummheit nicht nur ein Mangel an Wissen ist, sondern oft ein aktiver Widerstand gegen Wissen und Fortschritt.

Philosophisch gesehen kann dieses Zitat als eine Reflexion über den menschlichen Widerstand gegen Veränderung und die Fähigkeit zur Selbstreflexion verstanden werden. Es fordert uns dazu auf, uns mit der Schwierigkeit auseinanderzusetzen, Dummheit und Ignoranz zu überwinden, und betont die Komplexität, rationale und moralische Einsicht in einer Welt voller Widerstände und Selbstschutzmechanismen zu fördern.

Daten zum Zitat

Autor:
Johann Nepomuk Nestroy
Tätigkeit:
österr. Schauspieler, Dramatiker, Satiriker
Epoche:
Biedermeier
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Emotion:
Keine Emotion