Die Dummheit hat sich hinter ein festes Bollwerk von Eigensinn verschanzt, pflanzt beim Angriff noch die spitzen Pallisaden der Bosheit drauf und steht so unbesiegbar da.
- Johann Nepomuk Nestroy

Klugwort Reflexion zum Zitat
Johann Nepomuk Nestroy beschreibt in diesem Zitat die Hartnäckigkeit der Dummheit und ihre Fähigkeit, sich gegen Argumente und rationale Kritik zu immunisieren. Er vergleicht sie mit einer Festung, die nicht nur durch Eigensinn geschützt ist, sondern auch durch Bosheit aktiv verteidigt wird.
Dieses Bild zeigt, warum Dummheit oft so schwer zu überwinden ist: Sie ist nicht nur ein Mangel an Wissen, sondern häufig eine bewusste Verweigerung von Erkenntnis. Menschen, die an falschen Überzeugungen festhalten, tun dies oft nicht aus Unwissenheit, sondern aus Eigensinn – und wenn sie sich bedroht fühlen, reagieren sie nicht mit Offenheit, sondern mit Feindseligkeit.
Das Zitat regt dazu an, über die Natur der Ignoranz nachzudenken. Warum halten Menschen an offensichtlich falschen oder unlogischen Überzeugungen fest? Warum wird Kritik oft nicht als Möglichkeit zur Weiterentwicklung gesehen, sondern als Angriff? Nestroy zeigt, dass Dummheit nicht nur durch Unwissenheit entsteht, sondern durch eine bewusste Abwehr von Wissen.
Kritisch könnte man fragen, ob Dummheit tatsächlich „unbesiegbar“ ist. Gibt es keinen Weg, um festgefahrene Überzeugungen aufzubrechen? Oder ist es vielleicht eine Frage der Herangehensweise – brauchen Menschen, die sich in ihrer Überzeugung verschanzt haben, nicht Konfrontation, sondern Geduld und Verständnis? Nestroy zeichnet ein düsteres Bild, aber sein Zitat bleibt eine treffende Beobachtung menschlicher Natur.
Zitat Kontext
Johann Nepomuk Nestroy (1801–1862) war ein österreichischer Dramatiker, Satiriker und Schauspieler, bekannt für seine scharfzüngige Gesellschaftskritik. Seine Werke spiegeln die politischen und sozialen Spannungen des 19. Jahrhunderts wider und sind oft eine Mischung aus Komödie und tiefer philosophischer Reflexion.
Das Zitat steht im Kontext seiner Kritik an Starrsinn und Borniertheit. Nestroy erkannte, dass Dummheit nicht nur ein Mangel an Wissen ist, sondern oft mit einer bewussten Weigerung einhergeht, neue Perspektiven zuzulassen. Besonders in Zeiten politischer Umbrüche zeigt sich, dass Menschen sich oft in ihren Überzeugungen verschanzen, anstatt sich weiterzuentwickeln.
Historisch betrachtet, lebte Nestroy in einer Zeit, in der konservative und revolutionäre Kräfte aufeinanderprallten. Die politische Landschaft war geprägt von Zensur, Reaktion und dem Widerstand gegen aufklärerische Ideen. Sein Zitat könnte als Kritik an jenen verstanden werden, die sich gegen Fortschritt wehren, nicht aus Überzeugung, sondern aus Trotz.
Auch heute bleibt das Zitat relevant. In einer Zeit von Fake News, Verschwörungstheorien und ideologischen Gräben ist es oft schwer, Menschen mit festen Überzeugungen durch Argumente zu erreichen. Nestroy erinnert uns daran, dass Ignoranz nicht nur ein intellektuelles Problem ist, sondern oft mit Eigensinn und sogar Aggressivität verteidigt wird. Seine Worte sind eine Mahnung, dass wahre Aufklärung nicht nur Wissen erfordert, sondern auch die Fähigkeit, gegen die Mauern des Widerstands anzukommen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Johann Nepomuk Nestroy
- Tätigkeit:
- österr. Schauspieler, Dramatiker, Satiriker
- Epoche:
- Biedermeier
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- Emotion:
- Keine Emotion