Die Jugend ist außerordentlich gut gegen mich, und ich erkenne es mit größter Dankbarkeit an. Manchmal komme ich mir aber doch vor wie der ur-uralte Papagei, den niemand mehr verstand, weil er eine tote Sprache sprach.
- Marie von Ebner-Eschenbach

Klugwort Reflexion zum Zitat
Marie von Ebner-Eschenbach schildert in diesem Zitat auf charmante Weise das Gefühl der Entfremdung zwischen den Generationen. Trotz der Freundlichkeit und des Respekts, den die Jugend ihr entgegenbringt, fühlt sie sich manchmal isoliert, als spräche sie eine Sprache, die nicht mehr verstanden wird. Dieses Bild des uralten Papageis, der eine tote Sprache spricht, verdeutlicht die Schwierigkeit, zwischen den Erfahrungen und Werten älterer und jüngerer Generationen Brücken zu schlagen.
Die Reflexion zeigt, dass dieses Zitat sowohl humorvoll als auch nachdenklich ist. Es betont die Notwendigkeit, Dialog und Verständnis zwischen den Generationen zu fördern. Obwohl die älteren Generationen oft das Gefühl haben mögen, nicht mehr vollständig gehört oder verstanden zu werden, bringt ihre Weisheit und Erfahrung wertvolle Perspektiven mit sich. Gleichzeitig erinnert das Zitat die Jugend daran, nicht nur zuzuhören, sondern auch aktiv zu versuchen, diese ‚tote Sprache‘ zu entschlüsseln, um von den Erfahrungen der Älteren zu profitieren.
Das Zitat inspiriert dazu, Empathie und Geduld in der Kommunikation zwischen Generationen zu fördern. Es ermutigt dazu, sich für den Austausch von Ideen und Werten zu öffnen, auch wenn es zunächst Verständnishürden gibt. Marie von Ebner-Eschenbachs Worte sind ein Appell an beide Seiten – die Älteren, sich nicht entmutigen zu lassen, und die Jüngeren, die Bedeutung und Schönheit der ‚alten Sprachen‘ zu erkennen.
Zitat Kontext
Marie von Ebner-Eschenbach, eine der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts, war bekannt für ihre scharfsinnigen und oft ironischen Beobachtungen über die menschliche Natur und die Gesellschaft. Dieses Zitat reflektiert ihre Fähigkeit, mit Humor und Weisheit über die Herausforderungen des Alterns zu sprechen.
Im historischen Kontext lebte Ebner-Eschenbach in einer Zeit des rasanten gesellschaftlichen Wandels, geprägt von Industrialisierung und Modernisierung. Diese Veränderungen führten oft zu Spannungen zwischen den Generationen, da traditionelle Werte von neuen Ideen und Technologien herausgefordert wurden. Ihr Zitat spiegelt diese Dynamik wider und zeigt, wie universell und zeitlos das Thema der Generationenunterschiede ist.
Auch heute bleibt dieses Zitat aktuell, da es auf die immerwährenden Herausforderungen in der Kommunikation zwischen Jung und Alt hinweist. Es erinnert daran, dass gegenseitiges Verständnis und Respekt entscheidend sind, um eine Verbindung zwischen den Generationen herzustellen. Ebner-Eschenbachs Einsicht ist ein humorvoller und zugleich tiefgründiger Aufruf, die Kluft zwischen Vergangenheit und Gegenwart durch Offenheit und Dialog zu überwinden.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Marie von Ebner-Eschenbach
- Tätigkeit:
- Österreichische Schriftstellerin
- Epoche:
- Realismus
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- Emotion:
- Keine Emotion