Die Güte des Herzens macht den Greis noch verehrt und geliebt, wann sein Kopf schon die Schwächen zeigt, die ihn dem Kindesalter wieder zu nähern anfangen. Sanftmut, Geduld, Redlichkeit, Wahrhaftigkeit, Uneigennützigkeit, Menschenfreundlichkeit u.s.w. erhalten sich durch das ganze Leben und gehn nicht durch Altersschwäche verloren: in jedem hellen Augenblick des abgelebten Greises treten sie unvermindert hervor, wie die Sonne aus Winterwolken.
- Arthur Schopenhauer

Klugwort Reflexion zum Zitat
Arthur Schopenhauer beschreibt in diesem Zitat die bleibende Bedeutung von Tugenden wie Güte, Sanftmut und Wahrhaftigkeit, besonders im hohen Alter. Er stellt fest, dass, auch wenn der Geist eines alten Menschen mit Schwächen zu kämpfen hat, die positiven Charakterzüge, die im Laufe eines Lebens kultiviert wurden, weiterhin bestehen bleiben und in klaren Momenten deutlich zutage treten.
Schopenhauer malt ein warmes Bild des gealterten Menschen, dessen innere Werte wie ein Leuchtfeuer wirken, unabhängig von den körperlichen oder geistigen Einschränkungen des Alters. Diese Tugenden machen den Menschen verehrenswert und liebenswert, selbst wenn seine intellektuellen Fähigkeiten nachlassen. Das Zitat erinnert uns daran, dass wahre Größe und Menschlichkeit in den bleibenden Qualitäten des Herzens und Charakters liegen, nicht in äußeren oder zeitlich begrenzten Fähigkeiten.
In einer modernen Gesellschaft, die oft Jugendlichkeit und Produktivität idealisiert, ist Schopenhauers Botschaft besonders relevant. Sie lädt dazu ein, den Wert und die Würde älterer Menschen nicht nur in ihrer Vergangenheit, sondern in ihrem gegenwärtigen Sein zu erkennen. Seine Worte erinnern uns daran, dass Tugenden wie Sanftmut und Menschenfreundlichkeit zeitlos sind und eine Brücke zwischen den Generationen schaffen können.
Zitat Kontext
Arthur Schopenhauer, ein bedeutender deutscher Philosoph des 19. Jahrhunderts, war bekannt für seine Reflexionen über die menschliche Natur und das Leben in all seinen Phasen. Dieses Zitat spiegelt seine Überzeugung wider, dass moralische Tugenden nicht nur ein Leben lang Bestand haben, sondern auch im Alter einen zentralen Wert darstellen.
Zu Schopenhauers Zeit, als die Lebenserwartung kürzer war und das Altern oft mit Isolation und Schwäche gleichgesetzt wurde, war diese Perspektive bemerkenswert. Er betonte, dass das Alter nicht nur Einschränkungen, sondern auch eine besondere Würde mit sich bringt, die aus einem tugendhaften Leben erwächst. Seine Beschreibung der Tugenden, die wie die Sonne aus Winterwolken scheinen, verleiht dem Alter eine besondere Schönheit und Bedeutung.
Heute hat dieses Zitat weiterhin Gewicht, da es uns daran erinnert, den Wert des Alters zu schätzen und die bleibende Kraft von Tugenden zu erkennen. In einer Zeit, in der Alter oft mit Verlust verbunden wird, bietet Schopenhauers Perspektive eine inspirierende Sicht auf die bleibende Bedeutung von Charakter und Menschlichkeit.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Arthur Schopenhauer
- Tätigkeit:
- deutscher Philosoph
- Epoche:
- Moderne
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- Emotion:
- Keine Emotion