Je mehr sich die Menschen dem Alter nähern, desto mehr nähern sie sich dem Schein der Kindheit, bis die Zeit kommt, in der sie wieder wie Kinder aus dem Leben scheiden, die weder lebensmüde sind noch den Tod kennen.

- Erasmus von Rotterdam

Erasmus von Rotterdam

Klugwort Reflexion zum Zitat

Erasmus beschreibt hier einen faszinierenden Zyklus des Lebens: Die Rückkehr zur Kindheit im Alter.

Seine Beobachtung beruht auf der Idee, dass Menschen mit zunehmendem Alter oft wieder Eigenschaften zeigen, die sie als Kinder hatten – sei es Unschuld, Unbekümmertheit oder sogar Hilfsbedürftigkeit. Diese Sichtweise erinnert an philosophische und literarische Konzepte, in denen das Leben als Kreis dargestellt wird: Man beginnt als abhängiges Kind und endet oft in einem ähnlichen Zustand.

Diese Reflexion kann sowohl tröstlich als auch melancholisch wirken. Einerseits steckt darin die Idee, dass das Leben in einem natürlichen Fluss verläuft. Andererseits erinnert es an die Vergänglichkeit und den unvermeidlichen Abschied von der bewussten Kontrolle über das eigene Dasein.

Sein Zitat fordert uns auf, über den Wert des Alters nachzudenken. Oft wird das Alter nur mit Verlust assoziiert, doch Erasmus deutet an, dass es auch eine Rückkehr zu einem ursprünglichen, fast reinen Zustand sein kann. Es ist eine Einladung, das Altern nicht als Verfall, sondern als einen Teil eines umfassenden Kreislaufs des Lebens zu betrachten.

Zitat Kontext

Erasmus von Rotterdam (1466–1536) war ein Humanist und Gelehrter der Renaissance, der für seine scharfsinnige Kritik an der Kirche und seine philosophischen Schriften bekannt war.

Sein Zitat spiegelt eine weit verbreitete Vorstellung in der Renaissance wider: dass das Leben einem Kreis gleicht, in dem Jugend und Alter sich ähneln. Diese Idee findet sich auch in anderen philosophischen Traditionen, insbesondere in der antiken Philosophie und später im Existenzialismus.

Zur Zeit Erasmus’ wurden Altersfragen oft mit religiösen oder moralischen Vorstellungen verbunden. Sein Zitat hingegen legt eine eher psychologische oder philosophische Deutung nahe: Das Altern ist kein rein physischer Prozess, sondern auch eine Rückkehr zu einem ursprünglichen Zustand.

Heute bleibt seine Beobachtung relevant. In der modernen Medizin und Altersforschung wird zunehmend erkannt, dass das Altern nicht nur mit Verlust, sondern auch mit neuen Formen von Freiheit und Einfachheit verbunden sein kann. Erasmus’ Worte laden dazu ein, das Alter nicht nur als Ende, sondern als eine Phase mit eigenem Wert zu betrachten.

Daten zum Zitat

Autor:
Erasmus von Rotterdam
Tätigkeit:
niederländischer Gelehrter
Epoche:
Spätrenaissance / Manierismus
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Emotion:
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