Auf ein schlummerndes Kind Wenn ich, o Kindlein, vor dir stehe, Wenn ich im Traum dich lächeln sehe, Wenn du erglühst so wunderbar, Da ahne ich mit süßem Grauen: Dürft' ich in deine Träume schauen, So wär' mir Alles, Alles klar! Dir ist die Erde noch verschlossen, Du hast noch keine Lust genossen, Noch ist kein Glück, was du empfingst; Wie könntest du so süß denn träumen, Wenn du nicht noch in jenen Räumen, Woher du kamest, dich erging'st?

- Friedrich Hebbel

Friedrich Hebbel

Klugwort Reflexion zum Zitat

Friedrich Hebbels Gedicht 'Auf ein schlummerndes Kind' ist eine poetische Reflexion über die Reinheit und das Geheimnis des kindlichen Daseins. Der Anblick eines schlummernden Kindes löst in Hebbel eine Mischung aus Ehrfurcht und Neugier aus. Das Lächeln des Kindes im Schlaf wird für ihn zu einem Symbol für eine unergründliche Verbindung zwischen der Welt der Träume und einem jenseitigen Ursprung, den er als 'jene Räume, woher du kamest' beschreibt.

Das Gedicht regt zur Reflexion über die Unschuld und das noch unberührte Potenzial eines Kindes an. Hebbel deutet an, dass das Kind noch keine weltlichen Freuden oder Leiden erfahren hat und dennoch von einer besonderen Freude erfüllt ist, die aus einer transzendenten Quelle zu stammen scheint. Diese Vorstellung verleiht dem Gedicht eine spirituelle Dimension, die über das Hier und Jetzt hinausgeht.

Der Dichter betrachtet das Kind als ein Wesen, das noch mit einer höheren, vielleicht göttlichen Sphäre verbunden ist, und er ahnt, dass ein Einblick in die Träume des Kindes ihm tiefere Wahrheiten über die menschliche Existenz offenbaren könnte. Dieses Werk spiegelt die romantische Faszination mit dem Unbekannten und die Sehnsucht nach einer tieferen Wahrheit wider, die in der Einfachheit und Reinheit des Lebens verborgen liegt.

Zitat Kontext

Friedrich Hebbel (1813–1863) war ein bedeutender deutscher Dramatiker und Lyriker, der für seine tiefgründigen und oft philosophischen Werke bekannt ist. Sein Gedicht 'Auf ein schlummerndes Kind' stammt aus einer Zeit, in der romantische und idealistische Strömungen die Literatur prägten. Dichter wie Hebbel waren fasziniert von der Idee einer ursprünglichen Reinheit und einer tiefen Verbindung zwischen Mensch und Transzendenz.

In diesem Gedicht spiegelt Hebbel die romantische Vorstellung wider, dass Kinder eine besondere Nähe zu einer jenseitigen oder göttlichen Welt besitzen. Diese Idee findet sich in vielen literarischen und philosophischen Werken des 19. Jahrhunderts, die das Kind als Symbol für Unschuld und Ursprünglichkeit darstellen. Die Träume des Kindes werden hier als Brücke zwischen der realen Welt und einer höheren Ebene interpretiert, die Erwachsenen oft verborgen bleibt.

Das Gedicht entstand in einer Zeit, in der die Auseinandersetzung mit dem Spirituellen und Transzendenten in der Kunst eine zentrale Rolle spielte. Hebbels Werk lädt dazu ein, über die Grenzen des menschlichen Verstehens und die verborgenen Aspekte der menschlichen Existenz nachzudenken. Gleichzeitig verweist es auf die Bedeutung der Kindheit als eine Phase, in der der Mensch noch nicht von der Welt geprägt oder korrumpiert ist, sondern eine besondere Reinheit bewahrt.

Daten zum Zitat

Autor:
Friedrich Hebbel
Tätigkeit:
deutscher Dramatiker und Lyriker
Epoche:
Realismus
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Keine Emotion