Am Ende spürst du, dass deine viel gepriesene, unerschöpfliche Fantasie müde, geschwächt und erschöpft wird, weil du aus deinen alten Idealen herauswachsen musst; sie werden zu Splittern zertrümmert und verwandeln sich in Staub, und wenn du kein anderes Leben hast, bleibt dir nichts anderes übrig, als deine Träume immer wieder aus den Splittern und dem Staub neu aufzubauen. Aber das Herz sehnt sich nach etwas anderem! Und es ist vergeblich, in der Asche deiner alten Fantasien zu wühlen und zu versuchen, auch nur einen winzigen Funken zu finden, um ihn zu einer neuen Flamme zu entfachen, die das erkaltete Herz erwärmt und alles wieder zum Leben erweckt, was das Blut wild durch den Körper rauschen lässt, die Augen mit Tränen füllt - alles, was dich so gut täuschen kann!

- Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Klugwort Reflexion zum Zitat

Dostojewskis Worte spiegeln eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit den Grenzen der menschlichen Fantasie und den schmerzhaften Übergang vom Idealismus zur Realität wider. Das Zitat beschreibt die Erschöpfung, die entsteht, wenn alte Ideale zerbrechen und es scheinbar keine neuen gibt, die sie ersetzen können. Der Prozess, Träume aus den Trümmern der Vergangenheit wieder aufzubauen, erscheint vergeblich und zeigt die innere Zerrissenheit eines Menschen, der zwischen den Erinnerungen an das, was war, und der Sehnsucht nach einem neuen, erfüllenderen Leben gefangen ist.

Das Herz, das nach 'etwas anderem' strebt, verdeutlicht den Drang nach Sinn und Neuorientierung. Die Asche der vergangenen Fantasien symbolisiert nicht nur Enttäuschung, sondern auch die Unfähigkeit, sich an alten Vorstellungen festzuhalten. Es ist ein Aufruf zur Selbstreflexion und möglicherweise zur Akzeptanz, dass es nicht immer möglich ist, in die alten Muster zurückzukehren. Diese Worte erinnern daran, dass der Mensch sich ständig weiterentwickeln und neue Wege finden muss, auch wenn das alte Leben unwiederbringlich scheint.

Zitat Kontext

Fjodor Michailowitsch Dostojewski, einer der bedeutendsten russischen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, war bekannt für seine tiefgründigen psychologischen und philosophischen Werke. In diesem Zitat beleuchtet er die innere Zerbrechlichkeit des Menschen, insbesondere in Zeiten des Umbruchs und der Neuorientierung. Dostojewskis eigenes Leben, geprägt von politischen Konflikten, persönlichem Leid und tiefen spirituellen Kämpfen, spiegelt sich in dieser Reflexion wider.

Das Zitat könnte in den Kontext der russischen Gesellschaft seiner Zeit gestellt werden, die von Revolutionen und Veränderungen zerrissen war. Die 'alten Ideale' könnten die traditionellen Werte darstellen, die im Zuge der Modernisierung und Industrialisierung auseinanderbrachen. Dostojewski deutet jedoch nicht nur auf äußere Umstände hin, sondern legt den Fokus auf die innere Welt des Individuums, das sich mit den Brüchen seiner eigenen Ideale auseinandersetzt.

Die zentrale Botschaft erinnert daran, dass das Streben nach neuen Idealen und Lebenssinn ein universeller und zeitloser Prozess ist. Dostojewski fordert uns auf, die Sehnsucht nach Neuem anzuerkennen, ohne sich in der Vergangenheit zu verlieren. Es ist eine Einladung, sich selbst zu erneuern und den Schmerz des Verlusts als Teil des menschlichen Wachstumsprozesses zu akzeptieren.

Daten zum Zitat

Autor:
Fjodor Michailowitsch Dostojewski
Tätigkeit:
russischer Schriftsteller
Epoche:
Realismus
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Emotion:
Keine Emotion