Du fragst dich: Wo sind deine Träume geblieben? Und du schüttelst den Kopf und sagst, wie schnell die Jahre vergehen! Und du fragst dich wieder: Was hast du denn mit deinen besten Jahren gemacht? Wo hast du die besten Tage deines Lebens vergraben? Hast du gelebt oder nicht? Schau, sagst du dir, schau, wie kalt die Welt wird. Die Jahre werden vergehen, und nach ihnen werden die grimmige Einsamkeit und das Alter kommen, das am Stock zittert, und nach ihnen Elend und Verzweiflung. Deine Fantasiewelt wird blass werden, deine Träume werden verblassen und absterben, wie die gelben Blätter von den Bäumen fallen... Ach, Nastenka! Wäre es nicht erbärmlich, allein zu sein, ganz allein, und nichts zu bedauern - nichts, nicht das Geringste ... denn alles, was ich verloren habe, war nichts, dumm, eine runde Null, alles Träumen und nichts mehr!

- Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Klugwort Reflexion zum Zitat

Dostojewskis Worte reflektieren die existenzielle Krise eines Menschen, der auf sein Leben zurückblickt und sich fragt, ob er wirklich gelebt hat. Die Frage nach den ‚verlorenen Träumen‘ und der schnellen Vergänglichkeit der Jahre offenbart eine tiefe Sehnsucht nach Bedeutung und Erfüllung. Sie weist darauf hin, wie oft Menschen ihre besten Jahre mit Illusionen oder ungenutzten Möglichkeiten verbringen, anstatt bewusst im Moment zu leben.

Das Zitat regt dazu an, über die eigenen Lebensentscheidungen nachzudenken: Lebt man ein Leben, das erfüllt und authentisch ist, oder vergräbt man seine Träume in den Routinen und Ängsten des Alltags? Es warnt davor, das Leben passiv verstreichen zu lassen, nur um später auf ein Gefühl der Leere und des Bedauerns zu stoßen.

Für den Leser ist dies ein kraftvoller Appell, aktiv das Leben zu gestalten und die Träume zu verfolgen, die wahre Erfüllung bringen. Es inspiriert dazu, die Vergänglichkeit des Lebens zu akzeptieren und den Fokus auf das Hier und Jetzt zu legen, um ein Leben voller Bedeutung und Zufriedenheit zu führen.

Zitat Kontext

Fjodor Michailowitsch Dostojewski, ein Meister der psychologischen Literatur, befasst sich in seinen Werken oft mit den inneren Konflikten und der Suche nach Sinn. Dieses Zitat stammt aus einer Geschichte, in der der Protagonist über die verlorene Zeit und die Unerfülltheit seiner Träume nachdenkt.

Im historischen Kontext des 19. Jahrhunderts, geprägt von sozialen und wirtschaftlichen Umbrüchen in Russland, spiegeln Dostojewskis Worte die Unsicherheiten und Hoffnungen der Menschen wider. Sie stehen exemplarisch für die menschliche Angst vor der Vergänglichkeit und dem unerfüllten Leben.

Philosophisch lässt sich das Zitat in den Existenzialismus einordnen, der die Verantwortung des Einzelnen für die Gestaltung seines Lebens betont. Es fordert dazu auf, nicht in Passivität zu verharren, sondern das Leben bewusst und mutig zu leben.

Auch heute bleibt die Botschaft relevant. Sie erinnert daran, dass Träume und die aktive Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben essenziell sind, um einem Gefühl der Leere und Reue zu entgehen. Es ist ein Aufruf, das eigene Leben mit Sinn und Leidenschaft zu füllen.

Daten zum Zitat

Autor:
Fjodor Michailowitsch Dostojewski
Tätigkeit:
russischer Schriftsteller
Epoche:
Realismus
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Emotion:
Keine Emotion