Wo der Tadel das Ehrgefühl des Kindes versehrte, da unterdrückte ich ihn, um meine Kollegen in der Runde durch das Beispiel zu lehren, daß das Ehrgefühl, das unsere Tage nicht genug erziehen, das Beste im Menschen sei – daß alle andre Gefühle, selbst die edelsten, ihn in Stunden aus ihren Armen fallen lassen, wo ihn das Ehrgefühl in seinen emporhält – daß unter den Menschen, deren Grundsätze schweigen und deren Leidenschaften ineinanderschreien, bloß ihr Ehrgefühl dem Freunde, dem Gläubiger und der Geliebten eine eiserne Sicherheit verleihe.
- Jean Paul

Klugwort Reflexion zum Zitat
Jean Pauls Zitat hebt die zentrale Rolle des Ehrgefühls als moralischen Anker im Leben eines Menschen hervor. Er beschreibt es als die Kraft, die uns in schwierigen Zeiten stabil hält, selbst wenn andere Gefühle oder Prinzipien versagen. Besonders hebt er hervor, dass das Ehrgefühl nicht nur für das Individuum wichtig ist, sondern auch als Garantie für Verlässlichkeit in sozialen Beziehungen dient.
Die Betonung auf die Erziehung des Ehrgefühls im Kindesalter ist ein Hinweis auf die Verantwortung von Eltern und Pädagogen. Jean Paul stellt klar, dass Tadel, der das Ehrgefühl verletzt, langfristigen Schaden anrichten kann. Stattdessen plädiert er für eine Erziehung, die diese Tugend fördert, um dem Kind eine moralische Stärke mitzugeben, die es im späteren Leben stützt.
Das Zitat lädt dazu ein, über die eigenen Werte und die Erziehung nachzudenken: Fördern wir ein gesundes Ehrgefühl in uns selbst und anderen? Oder sind wir zu schnell mit Kritik, die eher zerstört als aufbaut? Jean Pauls Worte ermutigen dazu, Ehrgefühl als Fundament für ethisches Handeln und menschliche Beziehungen zu sehen. Es ist eine Mahnung, dass Vertrauen und Respekt nur bestehen können, wenn wir das Ehrgefühl sowohl in uns selbst als auch in der Gemeinschaft kultivieren.
Zitat Kontext
Jean Paul, ein deutscher Schriftsteller der Romantik, war bekannt für seine tiefgründigen und einfühlsamen Gedanken zur Erziehung und menschlichen Ethik. In einer Zeit, die von Aufklärung und romantischen Idealen geprägt war, richtete er den Fokus auf die Bedeutung von inneren Werten wie dem Ehrgefühl. Sein Zitat entspringt einer Zeit, in der gesellschaftliche Normen im Wandel waren und die Erziehung von Kindern zunehmend als moralisches und intellektuelles Fundament verstanden wurde.
Jean Pauls Erziehungsideale standen in starkem Kontrast zur oft harschen Disziplin seiner Zeit. Er propagierte eine sanftere, empathische Herangehensweise, die darauf abzielt, das Beste im Menschen zu fördern. Das Ehrgefühl, so Jean Paul, ist nicht nur eine persönliche Tugend, sondern auch eine gesellschaftliche Notwendigkeit. In einer Welt, in der Leidenschaften und egoistische Interessen oft die Oberhand gewinnen, bietet das Ehrgefühl Stabilität und Verlässlichkeit.
Heute ist diese Botschaft aktueller denn je. In einer zunehmend individualisierten Gesellschaft erinnert uns Jean Paul daran, dass Tugenden wie das Ehrgefühl sowohl für die persönliche Integrität als auch für das soziale Zusammenleben unverzichtbar sind. Seine Worte laden dazu ein, über die Erziehung und die Werte, die wir weitergeben, nachzudenken – nicht nur an Kinder, sondern auch an die Gemeinschaft als Ganzes.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Jean Paul
- Tätigkeit:
- deutscher Schriftsteller
- Epoche:
- Romantik
- Mehr?
- Alle Jean Paul Zitate
- Emotion:
- Keine Emotion