Wird hingegen, mit plumper Absichtlichkeit, ein Reales und Anschauliches geradezu unter den Begriff seines Gegenteils gebracht, so entsteht die platte, gemeine Ironie. Z. B. wenn bei starkem Regen gesagt wird: »das ist heute ein angenehmes Wetter«; – oder, von einer hässlichen Braut: »der hat sich ein schönes Schätzchen ausgesucht«; – oder von einem Spitzbuben: »dieser Ehrenmann«; u. dgl. m. Nur Kinder und Leute ohne alle Bildung werden über so etwas lachen: denn hier ist die Inkongruenz zwischen dem Gedachten und dem Angeschauten eine totale.
- Arthur Schopenhauer

Klugwort Reflexion zum Zitat
In diesem Zitat erklärt Arthur Schopenhauer seine Sicht auf Ironie und ihre Wirkung auf den Leser. Schopenhauer unterscheidet zwischen subtiler Ironie, die in einer Diskrepanz zwischen dem Gemeinten und dem Ausgesprochenen liegt, und der plumpen, gemeinen Ironie, die er als oberflächlich und unreflektiert betrachtet. Er nennt Beispiele, in denen die Ironie offensichtlich und aufgesetzt ist, wie etwa die Bemerkung über schlechtes Wetter als 'angenehm' oder die Beschreibung einer hässlichen Braut als 'schön'. Für Schopenhauer zeigt sich hier eine total fehlende Kongruenz zwischen dem, was gesagt wird, und dem, was tatsächlich wahr ist, was die Ironie leer und unverständlich macht.
Schopenhauer kritisiert die Art von Ironie, die keine wahre Tiefe oder Reflexion aufweist, sondern lediglich auf oberflächlichen, witzigen Bemerkungen beruht. Er stellt fest, dass nur Menschen ohne Bildung oder Kinder solche flachen Witze tatsächlich als humorvoll empfinden würden. Die wahre Ironie sollte, so Schopenhauer, die Diskrepanz zwischen einer Oberfläche und einer tieferen Bedeutung widerspiegeln, die zum Nachdenken anregt. Diese Sichtweise regt dazu an, Ironie als ein vielschichtiges, reflexives Werkzeug zu betrachten, das mehr ist als nur ein Mittel zur Unterhaltung.
In der modernen Welt, in der Ironie häufig in der Popkultur verwendet wird, um schnell zu amüsieren, stellt Schopenhauer eine zeitlose Warnung vor oberflächlicher Ironie dar, die nicht mehr als ein Flachwitz ist. In diesem Sinne fordert er dazu auf, Humor und Ironie mit einer tieferen Auseinandersetzung zu verbinden, die die wahre Bedeutung und die zugrunde liegenden sozialen oder philosophischen Fragen berührt.
Zitat Kontext
Arthur Schopenhauer war ein deutscher Philosoph des 19. Jahrhunderts, der für seine pessimistische Philosophie bekannt war. Er setzte sich intensiv mit der Natur des menschlichen Lebens, des Wissens und des Leidens auseinander und hinterfragte oft die Oberflächlichkeit menschlicher Beziehungen und Wahrnehmungen. In seiner Arbeit kritisierte er häufig die gesellschaftlichen Normen und die Art und Weise, wie Menschen mit der Welt um sie herum umgehen.
Dieses Zitat stammt aus seiner Auseinandersetzung mit der Ironie und ihrer Anwendung in der Sprache. Schopenhauer sieht in der Ironie eine Möglichkeit, Wahrheiten auszudrücken, die auf andere Weise schwer fassbar wären. Allerdings war er der Meinung, dass Ironie nur dann wirksam ist, wenn sie eine tiefere Bedeutung transportiert und nicht bloß als oberflächlicher Witz dient. Die plumpe, gemeine Ironie wird von ihm als Zeichen von Unreife und mangelnder Bildung gesehen.
Philosophisch betrachtet, reflektiert das Zitat Schopenhauers Überzeugung, dass das wahre Wissen und die wahre Bedeutung jenseits der Oberfläche liegen. Schopenhauer forderte eine tiefere Auseinandersetzung mit der Welt und hielt oberflächliche Witze, die keine wirkliche Einsicht bieten, für wertlos. Diese Perspektive fordert uns heraus, Humor und Ironie auf eine Weise zu betrachten, die mehr ist als bloße Unterhaltung, sondern zum Nachdenken und zur Selbstreflexion anregt.
In der heutigen Zeit, in der Ironie häufig als humorvolles Stilmittel verwendet wird, bleibt Schopenhauers Kritik von Bedeutung. Sie erinnert uns daran, dass wahre Ironie eine Bedeutungsebenen besitzt, die über die bloße Unterhaltung hinausgeht und uns herausfordert, tiefer in die zugrunde liegenden Wahrheiten und Diskrepanzen des Lebens einzutauchen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Arthur Schopenhauer
- Tätigkeit:
- deutscher Philosoph
- Epoche:
- Moderne
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- Emotion:
- Keine Emotion