Wird er nun nicht in der ersten Zeit wohl alle anlächeln und begrüßen, wem er nur begegnet, und behaupten, er sei gar kein Tyrann und ihnen vielerlei versprechen einzeln und gemeinsam, wie er denn auch Befreiung von Schulden und Verteilung von Äckern dem Volk gewährt und denen, die ihn umgeben, und wird sich gegen alle günstig und mild stellen? - Notwendig, sagte er. - Wenn er aber, denke ich, mit den äußeren Feinden sich teils vertragen, teils sie aufgerieben hat und also Ruhe vor jenen geworden ist, dann regt er zuerst immer irgendeinen Krieg auf, damit das Volk eines Anführers bedürfe.
- Platon

Klugwort Reflexion zum Zitat
In diesem Zitat analysiert Platon in seinem Werk *Der Staat* die Dynamiken tyrannischer Herrschaft. Er beschreibt, wie ein Tyrann anfangs durch großzügige Versprechen und scheinbare Mildtätigkeit das Vertrauen des Volkes gewinnt, nur um später durch Krieg und Konflikte die Abhängigkeit der Menschen von seiner Führung zu festigen. Diese Strategie zeigt, wie Manipulation und Machterhalt eng miteinander verbunden sind und wie leicht ein Volk durch scheinbar wohlwollende Maßnahmen in eine Unterdrückungsspirale geraten kann.
Die Reflexion regt dazu an, über die Mechanismen von Macht und Kontrolle nachzudenken. Platons Beobachtung ist zeitlos: Noch heute können Politiker oder Führungspersönlichkeiten ähnliche Taktiken anwenden, um ihren Einfluss zu sichern. Das Zitat fordert uns auf, kritisch zu hinterfragen, ob Wohlstand, Frieden oder Befreiung tatsächlich im Interesse der Allgemeinheit erfolgen oder lediglich als Mittel zur Machtstabilisierung genutzt werden.
Es inspiriert dazu, Wachsamkeit gegenüber politischen Versprechen zu wahren und die langfristigen Absichten hinter Handlungen und Entscheidungen zu analysieren. Platon erinnert uns daran, dass Demokratie und Freiheit ständige Achtsamkeit und aktive Beteiligung erfordern, um nicht in die Hände manipulativer Machthaber zu geraten.
Zitat Kontext
Platon, einer der einflussreichsten Philosophen der Antike, diskutierte in seinem Werk *Der Staat* die Grundlagen gerechter Herrschaft und die Gefahren tyrannischer Systeme. Dieses Zitat spiegelt seine Überlegungen über die Entwicklung und die Erhaltung von Macht durch Manipulation wider. Im Kontext der politischen Instabilität Athens und seiner Erfahrungen mit der Tyrannis analysierte Platon die psychologischen und sozialen Strategien, durch die Herrscher ihren Einfluss ausweiten.
Im heutigen Kontext ist Platons Warnung vor den Taktiken tyrannischer Herrschaft relevanter denn je. In einer Welt, die oft von Populismus, Manipulation und autoritären Tendenzen geprägt ist, erinnern seine Worte daran, dass Machtmissbrauch subtil und oft unter dem Deckmantel des Wohlergehens eingeführt werden kann. Platons Werk bleibt ein Mahnmal für die Bedeutung von kritischem Denken und aktiver Bürgerbeteiligung, um die Freiheit und die Integrität politischer Systeme zu bewahren.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Platon
- Tätigkeit:
- griechischer Philosoph
- Epoche:
- Klassische Antike
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- Emotion:
- Keine Emotion