Stumpfheit des Geistes ist durchgängig im Verein mit Stumpfheit der Empfindung und Mangel an Reizbarkeit, welche Beschaffenheit für Schmerzen und Betrübnisse jeder Art und Größe weniger empfänglich macht: aus eben dieser Geistesstumpfheit aber geht andererseits jene, auf zahllosen Gesichtern ausgeprägte, wie auch durch die beständig rege Aufmerksamkeit auf alle, selbst die kleinsten Vorgänge in der Außenwelt sich verratende innere Leerheit hervor, welche die wahre Quelle der Langenweile ist und stets nach äußerer Anregung lechzt, um Geist und Gemüt durch irgendetwas in Bewegung zu bringen. In der Wahl desselben ist sie daher nicht ekel; wie dies die Erbärmlichkeit der Zeitvertreibe bezeugt, zu denen man Menschen greifen sieht, im gleichen die Art ihrer Geselligkeit und Konversation, nicht weniger die vielen Türsteher und Fenstergucker.

- Arthur Schopenhauer

Arthur Schopenhauer

Klugwort Reflexion zum Zitat

In diesem Zitat beschreibt Arthur Schopenhauer die Verbindung zwischen geistiger Stumpfheit und der damit verbundenen inneren Leere, die zu einem unaufhörlichen Drang nach äußerer Anregung führt. Schopenhauer legt dar, dass Menschen, deren Geist und Empfindung abgestumpft sind, weniger empfänglich für Schmerzen und Betrübnis sind, jedoch gleichzeitig eine tiefere innere Leere verspüren, die sich in einer ständigen Suche nach Ablenkung äußert. Die innere Leere wird als die wahre Quelle der Langeweile beschrieben, die den Menschen zu oberflächlichen, sinnlosen Tätigkeiten und Konversationen treibt, die ihm scheinbare Erfüllung verschaffen.

Das Zitat regt dazu an, über die Bedeutung von geistiger Wachsamkeit und Sensibilität nachzudenken. Schopenhauer zeigt auf, dass wahre Erfüllung und innere Zufriedenheit nicht durch äußere Ablenkungen oder durch die Flucht vor dem Selbst erreicht werden können, sondern durch eine tiefere Auseinandersetzung mit sich selbst und der Welt um uns herum. Die ständige Suche nach Reizen und die Teilnahme an oberflächlichen Zeitvertreiben ist nicht nur ein Zeichen von Langeweile, sondern auch von einer inneren Leere, die nicht durch äußere Anreize gestillt werden kann.

Das Zitat fordert uns dazu auf, den Wert der inneren Reflexion und Achtsamkeit zu erkennen und die Bedeutung von geistiger Schärfe und Sensibilität zu schätzen, um uns nicht in der Leere des geistigen Müßiggangs zu verlieren.

Zitat Kontext

Arthur Schopenhauer, ein deutscher Philosoph des 19. Jahrhunderts, ist bekannt für seine pessimistischen Ansichten über das menschliche Leben und die Natur des Leidens. In diesem Zitat zeigt er seine Philosophie der Langeweile und der inneren Leere, die durch das Fehlen von geistiger Reizbarkeit und einer unaufhörlichen Flucht vor sich selbst entsteht. Schopenhauer vertrat die Ansicht, dass das Leben grundsätzlich von Leiden geprägt ist, und dass die meisten menschlichen Handlungen nur ein Versuch sind, diese inneren Lehren zu vermeiden.

Historisch gesehen war Schopenhauer in einer Zeit aktiv, in der das Interesse an Psychologie und der Untersuchung menschlicher Verhaltensweisen wuchs. Seine Arbeiten spiegeln die damaligen Strömungen der Philosophie wider, die sich intensiv mit der Natur des menschlichen Geistes und der Erfahrung des Leidens befassten. Schopenhauer sah in der geistigen Stumpfheit und der Unfähigkeit, mit den eigenen Gedanken und Gefühlen in Kontakt zu treten, eine der großen Ursachen für die Flucht in oberflächliche Ablenkungen.

Philosophisch steht das Zitat in Verbindung mit Schopenhauers Überzeugung, dass das Streben nach äußeren Vergnügungen und Ablenkungen lediglich eine Reaktion auf die innere Leere des Menschen ist. Es ist eine Warnung, dass die Flucht vor dem Selbst und der Fokus auf oberflächliche Anreize keine wahre Erfüllung bringen können.

Auch heute bleibt dieses Zitat relevant, da es uns dazu anregt, über die Ursachen unserer eigenen Langeweile und inneren Unruhe nachzudenken und die Wichtigkeit der geistigen Achtsamkeit und Selbstreflexion zu erkennen. In einer Welt, die oft von Ablenkungen und oberflächlichen Vergnügungen geprägt ist, erinnert uns Schopenhauer daran, dass wahre Zufriedenheit nur durch eine tiefere Auseinandersetzung mit uns selbst und der Welt um uns herum erreicht werden kann.

Daten zum Zitat

Autor:
Arthur Schopenhauer
Tätigkeit:
deutscher Philosoph
Epoche:
Moderne
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Emotion:
Keine Emotion