Fürs Kind. Man spielt auch Mann und Weib fürs Kind. Das ist noch immer der wohltätige Zweck, zu dessen Gunsten die Unterhaltung stattfindet und vor dem selbst die Zensur ein Auge zudrückt.

- Karl Kraus

Karl Kraus

Klugwort Reflexion zum Zitat

Kraus spielt hier auf die gesellschaftliche Rolle von Familie und Erziehung an, insbesondere auf die Art und Weise, wie Erwachsene bestimmte Rollen für Kinder aufrechterhalten.

Sein Zitat deutet an, dass viele gesellschaftliche Normen und Rituale oft mit dem Wohl des Kindes gerechtfertigt werden. Die Idee, dass selbst Zensur in bestimmten Fällen nachgiebig ist, verweist darauf, dass bestimmte moralische oder soziale Regeln flexibel interpretiert werden, wenn es um die Erziehung oder Unterhaltung von Kindern geht.

Dies fordert uns auf, über unsere eigenen sozialen Normen nachzudenken. Wie oft rechtfertigen wir Regeln oder Ausnahmen damit, dass sie 'zum Wohle der Kinder' seien? Und inwieweit beeinflusst diese Argumentation gesellschaftliche Debatten über Moral, Medien und Erziehung?

Kraus erinnert uns daran, dass viele gesellschaftliche Strukturen nicht so fest sind, wie sie scheinen – und dass das Konzept des Kinderschutzes oft als universelle Rechtfertigung für unterschiedlichste Maßnahmen dient.

Zitat Kontext

Karl Kraus war bekannt für seine kritischen Kommentare zu Sprache, Gesellschaft und Moral.

Sein Zitat reflektiert die Doppelbödigkeit vieler gesellschaftlicher Normen, insbesondere in Bezug auf Familie und Kindererziehung. Die Idee, dass selbst Zensur gelockert wird, wenn es 'um das Kind' geht, verweist auf eine lange Tradition, in der soziale Regeln flexibel ausgelegt wurden, wenn sie als pädagogisch notwendig galten.

Auch heute bleibt dieses Thema aktuell. In vielen gesellschaftlichen Debatten – von Medienzensur bis zur Gestaltung von Bildungssystemen – wird das Wohl des Kindes oft als Hauptargument angeführt. Kraus fordert uns auf, dies kritisch zu hinterfragen: Wann wird der Schutz des Kindes tatsächlich genutzt, um sinnvolle Maßnahmen zu ergreifen, und wann dient er als Vorwand für andere Interessen?

Daten zum Zitat

Autor:
Karl Kraus
Tätigkeit:
österreichischer Schriftsteller, Publizist, Satiriker und Dramatiker
Epoche:
Moderne
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Emotion:
Keine Emotion