Ein etwas vorschnippischer Philosoph, ich glaube Hamlet Prinz von Dänemark, hat gesagt: es gebe eine Menge Dinge im Himmel und auf der Erde, wovon nichts in unsern Compendiis steht. Hat der einfältige Mensch, der bekanntlich nicht recht bei Trost war, damit auf unsere Compendia der Physik gestichelt, so kann man ihm getrost antworten: gut, aber dafür steh'n aber auch wieder eine Menge von Dingen in unsern Compendiis, wovon weder im Himmel noch auf der Erde etwas vorkömmt.

- Georg Christoph Lichtenberg

Georg Christoph Lichtenberg

Klugwort Reflexion zum Zitat

Georg Christoph Lichtenberg greift mit Humor und Ironie die berühmte Aussage aus Shakespeares *Hamlet* auf und liefert eine scharfsinnige Reflexion über die Grenzen und Absurditäten menschlichen Wissens. Er kritisiert einerseits die Selbstüberschätzung der wissenschaftlichen Systeme seiner Zeit und andererseits die oft unbegründeten Spekulationen, die in den Wissensgebieten enthalten sind.

Die Reflexion zeigt, dass Lichtenberg Wissenschaft und Philosophie nicht nur ernst nimmt, sondern auch die Notwendigkeit erkennt, ihre Methoden und Ergebnisse kritisch zu hinterfragen. Seine Bemerkung, dass in den ‚Compendia‘ Dinge stehen könnten, die weder im Himmel noch auf der Erde vorkommen, ist ein humorvoller Hinweis auf die Gefahr, dass Theorien und Systeme von der Realität abweichen. Dies ist nicht nur eine Kritik an der Wissenschaft, sondern auch an der menschlichen Neigung, Erklärungen und Kategorien zu schaffen, die mit der Wirklichkeit möglicherweise wenig zu tun haben.

Das Zitat regt dazu an, den Umgang mit Wissen kritisch zu betrachten. Es erinnert daran, dass menschliche Erkenntnis immer begrenzt und fehleranfällig ist, egal wie strukturiert oder umfassend sie erscheint. Gleichzeitig ermutigt Lichtenberg zu einem balancierten Umgang mit Wissen – einerseits respektvoll gegenüber den Errungenschaften, andererseits bereit, diese zu hinterfragen und über ihre Grenzen hinauszudenken.

Zitat Kontext

Georg Christoph Lichtenberg, ein deutscher Physiker und Satiriker, lebte in einer Zeit, die von der Aufklärung geprägt war, einer Epoche, die die Vernunft und die Wissenschaft hochschätzte. Doch Lichtenberg war nicht nur ein Verfechter der Aufklärung, sondern auch ein scharfer Kritiker ihrer Schwächen. Dieses Zitat zeigt seinen ironischen Umgang mit den wissenschaftlichen und philosophischen Dogmen seiner Zeit.

Im historischen Kontext war die Naturwissenschaft dabei, sich als methodisch fundierte Disziplin zu etablieren. Zugleich war die Wissenschaft von Theorien durchsetzt, die später als fehlerhaft erkannt wurden. Lichtenbergs Humor hebt hervor, dass nicht alles, was in wissenschaftlichen ‚Compendia‘ oder Lehrbüchern steht, zwangsläufig mit der Realität übereinstimmt.

Auch heute ist das Zitat relevant, besonders in einer Welt, die von Daten und Wissen überflutet ist. Es erinnert daran, dass Wissen ständig im Wandel ist und nicht alles, was als ‚wissenschaftlich‘ gilt, absolute Wahrheit sein muss. Lichtenbergs Worte mahnen zu einer gesunden Skepsis und ermutigen, Wissen immer im Kontext seiner Entstehung und Anwendung zu betrachten.

Daten zum Zitat

Autor:
Georg Christoph Lichtenberg
Tätigkeit:
deutscher Schriftsteller, Mathematiker, Physiker und Aphoristiker
Epoche:
Aufklärung
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Emotion:
Keine Emotion