Durch übermäßiges Lob wird der Autor nicht für übermäßigen Tadel entschädigt. Jenes nimmt das halbe Vergnügen (und gibt weniger als gerechtes Lob) durch die Unvollkommenheit des Lobredners und durch die Erinnerung an die gelobten Vorzüge, deren man eben entbehrt. Überm(äßiger) Tadel verwundet 1) durch Nachsprechen 2) fremde Unvollkommenheit 3) eigne Geneigtheit, ihm zu glauben 4) Gefühl der Beleidigung.

- Jean Paul

Jean Paul

Klugwort Reflexion zum Zitat

Jean Pauls Zitat beleuchtet die komplexen Auswirkungen von Lob und Tadel auf das Selbstbild und die Gefühle eines Autors – oder generell einer Person, die sich öffentlicher Bewertung stellt.

Übermäßiges Lob wird als zweischneidiges Schwert dargestellt: Es mag auf den ersten Blick schmeichelhaft wirken, verliert jedoch an Wert, wenn es übertrieben oder ungerecht erscheint. Ein solches Lob erinnert den Gelobten an Eigenschaften, die er möglicherweise nicht besitzt, was ein Gefühl der Unzulänglichkeit hervorruft. Gleichzeitig betont Jean Paul, dass übermäßiger Tadel noch verletzender ist, da er auf verschiedenen Ebenen des Empfindens wirkt: Es gibt die Gefahr des Nachsprechens, der Projektion fremder Unvollkommenheiten und der inneren Neigung, Kritik Glauben zu schenken.

Das Zitat regt dazu an, über die Wirkung von Kritik und Anerkennung auf die menschliche Psyche nachzudenken. Es erinnert daran, wie wichtig es ist, Feedback ehrlich und ausgewogen zu geben, um die Würde und Motivation des Gegenübers zu bewahren. Es fordert zugleich den Empfänger solcher Bewertungen auf, sich nicht durch extreme Reaktionen – sei es Lob oder Tadel – aus dem Gleichgewicht bringen zu lassen, sondern innere Klarheit zu bewahren.

Zitat Kontext

Jean Paul, ein Schriftsteller der deutschen Romantik, war ein sensibler Beobachter der menschlichen Psyche und ihrer Reaktionen auf Lob und Tadel. In einer Zeit, in der literarische und gesellschaftliche Kritik einen hohen Stellenwert hatte, reflektierte er oft die Dynamiken zwischen Schaffenden und ihrem Publikum.

Das Zitat spiegelt eine romantische Sichtweise wider, die Authentizität und Tiefe in menschlichen Beziehungen und künstlerischen Ausdrucksformen sucht. Jean Paul zeigt, dass sowohl übertriebene Anerkennung als auch überzogene Kritik die Substanz einer echten Verbindung untergraben können.

Auch heute bleibt diese Beobachtung relevant, insbesondere in einer Welt, die von schnellen Bewertungen, sozialen Medien und öffentlicher Kritik geprägt ist. Seine Worte laden dazu ein, bewusst mit Lob und Tadel umzugehen – sowohl als Gebender als auch als Empfänger. Es erinnert daran, dass Balance und Echtheit in der Kommunikation entscheidend sind, um Wachstum und gegenseitigen Respekt zu fördern.

Daten zum Zitat

Autor:
Jean Paul
Tätigkeit:
deutscher Schriftsteller
Epoche:
Romantik
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Emotion:
Keine Emotion