Xerxes hat, nach Herodot, beim Anblick seines unübersehbaren Heeres geweint, indem er bedachte, daß von diesen allen, nach hundert Jahren, keiner am Leben sein würde: wer möchte da nicht weinen, beim Anblick des dicken Meßkatalogs, wenn er bedenkt, daß von allen diesen Büchern, schon nach zehn Jahren, keines mehr am Leben sein wird.
- Arthur Schopenhauer

Klugwort Reflexion zum Zitat
Schopenhauer verbindet in diesem Zitat zwei eindrucksvolle Bilder, um die Vergänglichkeit sowohl des Lebens als auch des geistigen Schaffens zu verdeutlichen.
Der Vergleich von Xerxes' Tränen beim Anblick seines gewaltigen Heeres mit den Büchern eines Messekatalogs zeigt, dass nichts dem Verfall der Zeit entgeht – weder Menschen noch ihre kulturellen Errungenschaften. Während Xerxes von der Sterblichkeit seines Heeres bewegt wird, betrachtet Schopenhauer mit einer ähnlichen Melancholie die Kurzlebigkeit literarischer Werke, die innerhalb weniger Jahre in Vergessenheit geraten.
Dieses Zitat regt zum Nachdenken an: Es erinnert daran, dass sowohl unsere Taten als auch unsere Schriften letztlich dem Vergessen preisgegeben sind. Doch anstatt uns von dieser Einsicht entmutigen zu lassen, können wir sie als Inspiration nutzen, um im Hier und Jetzt Bedeutung und Freude zu finden. Es wirft auch die Frage auf, ob der Wert eines Werkes oder eines Lebens in seiner Dauer liegt oder vielmehr in der Intensität und Authentizität seines Ausdrucks.
Schopenhauers Gedanken sind eine Einladung, die Vergänglichkeit nicht zu fürchten, sondern sie als natürlichen Teil des Lebens zu akzeptieren. Sie fordern uns dazu auf, nicht nur auf die Ergebnisse unseres Handelns zu achten, sondern auf die Qualität und die Absicht, die dahinterstehen – eine Botschaft, die in einer schnelllebigen Welt von besonderer Bedeutung ist.
Zitat Kontext
Arthur Schopenhauer, ein deutscher Philosoph des 19. Jahrhunderts, war bekannt für seine pessimistischen Betrachtungen der menschlichen Existenz. Stark von der indischen Philosophie und der Lehre der Vergänglichkeit geprägt, beschäftigte er sich intensiv mit der Sterblichkeit und der Sinnlosigkeit des Streits um Ruhm oder Reichtum.
Das Zitat zeigt seine Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit menschlicher Bemühungen, sei es in Form von Heeren oder literarischen Werken. Der Bezug auf Xerxes, den persischen König, der vor der Endlichkeit seines unzähligen Heeres weinte, und der Vergleich mit Büchern aus einem Messekatalog, die innerhalb weniger Jahre vergessen werden, verdeutlicht Schopenhauers Skepsis gegenüber dem Bestreben nach Dauerhaftigkeit. In seiner Philosophie stellt er den Fokus auf die individuelle Erfahrung und die Suche nach innerem Frieden über das Streben nach äußerer Anerkennung.
Im heutigen Kontext erinnert Schopenhauers Gedanke an die Schnelllebigkeit unserer Zeit. Digitale Medien und der Informationsüberfluss lassen Werke oft noch schneller verblassen, als es zu seiner Zeit der Fall war. Doch genau wie zu Schopenhauers Lebzeiten bleibt seine Botschaft relevant: Die wahre Bedeutung liegt nicht in der Dauerhaftigkeit oder dem äußeren Erfolg, sondern in der inneren Haltung, mit der wir unser Leben und unsere Schöpfungen gestalten.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Arthur Schopenhauer
- Tätigkeit:
- deutscher Philosoph
- Epoche:
- Moderne
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- Emotion:
- Keine Emotion