Wir glauben, daß wir ewig sind, denn unsere Seele fühlt die Schönheit der Natur. Sie ist ein Stückwerk, ist die Göttliche, die Vollendete nicht, wenn jemals du in ihr vermißt wirst. Sie verdient dein Herz nicht, wenn sie erröten muß vor deinen Hoffnungen.
- Friedrich Hölderlin

Klugwort Reflexion zum Zitat
Friedrich Hölderlins Zitat offenbart eine tief poetische Verbindung zwischen Mensch, Natur und dem Ewigen. Es beschreibt den Glauben an die eigene Unsterblichkeit, der aus der Empfindung für die Schönheit der Natur entspringt. Doch zugleich warnt Hölderlin davor, dass diese Verbindung nicht vollkommen ist, wenn sie das Wesentliche – das, was wir lieben und vermissen – nicht einschließt. Es ist ein Plädoyer für Authentizität und Tiefe in unseren Gefühlen und Hoffnungen.
Das Zitat regt dazu an, über die Beziehung zwischen der menschlichen Seele und der Natur nachzudenken. Wie oft projizieren wir unsere Hoffnungen und Träume auf die Welt um uns herum, ohne ihre Grenzen und Unvollkommenheiten zu erkennen? Hölderlin erinnert uns daran, dass wahre Schönheit und Erhabenheit nicht in Perfektion liegen, sondern in der Fähigkeit, das Fehlende, das Unvollendete zu akzeptieren und dennoch eine Verbindung herzustellen.
Emotional weckt das Zitat eine Mischung aus Ehrfurcht und Nachdenklichkeit. Es fordert uns auf, unsere eigene Beziehung zur Natur und zu den Dingen, die wir schätzen, zu hinterfragen. Sind sie es wirklich wert, unser Herz zu besitzen, oder erröten sie unter der Last unserer Erwartungen? Hölderlins Worte laden dazu ein, die Schönheit des Unvollkommenen zu feiern und die Tiefe des eigenen Fühlens zu erkunden.
Zitat Kontext
Friedrich Hölderlin, einer der bedeutendsten Dichter der deutschen Romantik, war bekannt für seine visionären und oft melancholischen Reflexionen über die Verbindung zwischen Mensch, Natur und Göttlichkeit. Dieses Zitat entstammt einer Zeit, in der er sich intensiv mit der Frage nach der Vollkommenheit und Unvollkommenheit des Daseins auseinandersetzte.
Hölderlins Gedanken spiegeln die Ideale der Romantik wider, die eine enge Verbindung zwischen dem Individuum und der Natur suchte. Doch zugleich bricht er mit der Idee der unbedingten Harmonie, indem er die Unvollständigkeit und Verletzlichkeit der Schönheit betont. Seine Worte können als Kritik an einem oberflächlichen Verständnis von Natur und Spiritualität verstanden werden – sie fordern dazu auf, tiefer zu gehen und das Fehlende nicht zu übersehen.
Auch heute hat das Zitat Relevanz, da es uns daran erinnert, unsere Erwartungen an die Welt, die Natur und unsere Beziehungen zu hinterfragen. Es ermutigt dazu, das Unvollkommene nicht nur zu akzeptieren, sondern als wesentlichen Teil der Schönheit und des Lebens zu begreifen – eine Botschaft, die in ihrer zeitlosen Weisheit nach wie vor berührt und inspiriert.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Friedrich Hölderlin
- Tätigkeit:
- deutscher Dichter
- Epoche:
- Romantik
- Mehr?
- Alle Friedrich Hölderlin Zitate
- Emotion:
- Keine Emotion