Wer Unterricht geben will von dem kann man mit Recht verlangen, daß er alles in einem Ton sage, der zu erkennen gibt, daß er auch im Fall der Not welchen annehmen könne.
- Georg Christoph Lichtenberg

Klugwort Reflexion zum Zitat
Lichtenberg beschreibt in diesem Zitat eine grundlegende Anforderung an Lehrende: Wer Wissen vermittelt, sollte nicht nur reden, sondern auch selbst in der Lage sein, Rat und Kritik anzunehmen. Dies ist ein wichtiger Gedanke, der bis heute in pädagogischen und zwischenmenschlichen Beziehungen eine große Rolle spielt.
Das Zitat weist auf eine Haltung der Demut und Offenheit hin. Ein guter Lehrer ist nicht nur ein Übermittler von Wissen, sondern auch ein Lernender. Wer von anderen erwartet, dass sie ihm zuhören und lernen, sollte selbst bereit sein, zuzuhören und weiterzulernen. Dies ist insbesondere in einem sich ständig verändernden Bildungssystem wichtig, in dem neues Wissen fortlaufend entsteht.
Auf einer tieferen Ebene geht es auch um Autorität und Glaubwürdigkeit. Menschen, die dogmatisch auftreten und sich unfehlbar geben, verlieren oft den Respekt ihrer Schüler oder Zuhörer. Echte Autorität entsteht nicht durch Unfehlbarkeit, sondern durch eine Haltung, die zeigt, dass man bereit ist, sich weiterzuentwickeln.
Kritisch könnte man fragen, ob dies immer realistisch ist. Es gibt Situationen, in denen Lehrer oder Führungspersonen klare Entscheidungen treffen müssen, ohne sich ständig selbst infrage zu stellen. Dennoch bleibt Lichtenbergs Aussage eine wertvolle Erinnerung daran, dass wahre Weisheit oft mit Bescheidenheit einhergeht und dass der beste Unterricht oft ein Dialog ist, kein Monolog.
Zitat Kontext
Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799) war ein deutscher Physiker, Mathematiker und Satiriker, der für seine scharfsinnigen Beobachtungen bekannt war. Seine Aphorismen sind bis heute von großer Bedeutung, da sie oft grundlegende Wahrheiten über das menschliche Verhalten und den gesellschaftlichen Umgang mit Wissen offenbaren.
Das Zitat stammt aus einer Zeit, in der Bildungssysteme noch stark hierarchisch geprägt waren. Lehrer galten als unantastbare Autoritäten, deren Wissen nicht infrage gestellt wurde. Lichtenberg forderte mit seiner Aussage indirekt eine modernere, dialogische Form des Unterrichts, in der Lehrende nicht nur lehren, sondern auch bereit sind zu lernen.
Historisch gesehen steht das Zitat in einer Tradition der Aufklärung, die Wissen nicht als starre Größe betrachtete, sondern als etwas, das sich durch Austausch und Reflexion entwickelt. Es erinnert an Ideen von Sokrates und anderen Philosophen, die betonten, dass wahre Weisheit darin besteht, die eigenen Grenzen zu erkennen.
Auch heute bleibt die Aussage relevant. In Zeiten von Fake News, Informationsflut und schnellen technologischen Veränderungen ist es wichtiger denn je, dass Lehrende und Experten bereit sind, ihr Wissen anzupassen und neue Erkenntnisse aufzunehmen. Lichtenbergs Zitat ist daher eine zeitlose Mahnung an Offenheit, Bescheidenheit und die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Georg Christoph Lichtenberg
- Tätigkeit:
- deutscher Schriftsteller, Mathematiker, Physiker und Aphoristiker
- Epoche:
- Aufklärung
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- Emotion:
- Keine Emotion