Wenn jemand sich als Professor der Sprachen ausgibt und dabei selbst barbarisch redet, oder wenn einer als Gesangslehrer gelten will und dabei mit ohrenzerreißender Unreinheit singt, so finden wir das besonders häßlich, weil der Mensch auf dem Gebiete sündigt, das er als sein spezielles Fach vertreten will; ganz ebenso ist ein Philosoph, der in der Lebensführung Fehler begeht, deswegen tadelnswert, weil er in der Pflichterfüllung, die er anderen predigt, selber nicht standhält und als Lehrer der Lebensregeln gerade in der Lebensweise sich unwürdig zeigt.
- Cicero

Klugwort Reflexion zum Zitat
Cicero beleuchtet in diesem Zitat die Diskrepanz zwischen dem Anspruch und dem tatsächlichen Verhalten von Menschen, insbesondere in Bereichen, in denen sie sich als Experten ausgeben. Er hebt hervor, dass es besonders verwerflich ist, wenn jemand, der anderen moralische oder praktische Lehren erteilt, diese selbst nicht umsetzt. Seine Kritik richtet sich insbesondere gegen Philosophen, die in der Theorie tugendhafte Lebensregeln predigen, jedoch in der Praxis diesen Idealen nicht folgen.
Diese Reflexion lädt dazu ein, über Authentizität und Glaubwürdigkeit nachzudenken. Ciceros Worte betonen, dass das Handeln eines Menschen mit seinen Worten übereinstimmen sollte, besonders wenn er eine Vorbildrolle beansprucht. Das Zitat erinnert uns daran, dass Integrität und Übereinstimmung zwischen Theorie und Praxis entscheidende Tugenden sind, um Respekt und Vertrauen zu gewinnen.
In einer Zeit, in der öffentliche Personen oft unter besonderer Beobachtung stehen, bleibt diese Botschaft hochaktuell. Cicero fordert uns auf, unsere Handlungen und Werte in Einklang zu bringen, um Vorbildlichkeit und Glaubwürdigkeit zu zeigen. Seine Worte inspirieren dazu, die Verantwortung anzuerkennen, die mit einer lehrenden oder führenden Rolle einhergeht, und danach zu streben, durch das eigene Verhalten die Ideale zu verkörpern, die man vertritt.
Zitat Kontext
Cicero, ein römischer Staatsmann und Philosoph, lebte in einer Zeit, in der Philosophie nicht nur als intellektuelle Disziplin, sondern auch als Anleitung für ein tugendhaftes Leben angesehen wurde. Sein Zitat spiegelt die Erwartungen wider, die in der römischen Gesellschaft an Philosophen und andere öffentliche Persönlichkeiten gestellt wurden.
Im historischen Kontext war die Rhetorik eine zentrale Fähigkeit, und Philosophen wurden oft daran gemessen, wie gut sie ihre Lehren in die Praxis umsetzten. Cicero betonte die Bedeutung von Konsistenz zwischen Worten und Taten, insbesondere bei denen, die andere belehren wollten.
Heute bleibt dieses Zitat eine zeitlose Erinnerung daran, dass Glaubwürdigkeit und Authentizität zentrale Bestandteile eines respektierten Lebens sind. Es fordert dazu auf, sich selbst kritisch zu hinterfragen und sicherzustellen, dass das eigene Handeln den Werten entspricht, die man vertritt. Ciceros Einsicht bleibt ein Leitfaden für alle, die eine Vorbildfunktion anstreben, sei es im persönlichen oder beruflichen Bereich.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Cicero
- Tätigkeit:
- römischer Staatsmann, Anwalt, Schriftsteller und Philosoph
- Epoche:
- Klassische Antike
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- Emotion:
- Keine Emotion