Und endlich, ihr Eltern, lehrt lieben, so braucht ihr keine zehn Gebote – lehrt lieben, so hat euer Kind ein reiches gewinnendes Leben; denn der Mensch gewinnt (ist diese Vergleichung hier erlaubt) wie Österreich seine Länder nur durch Vermählen, und büßet sie ein durch Kriege – lehrt lieben im Jahrhundert, das der Eismonat der Zeit ist, und das leichter alles andere erobert als ein Herz durch ein Herz – lehrt lieben, damit ihr selber einst, wenn eure Augen alt sind und die Blicke halb erloschen, um euern Krankenstuhl und euer Sterbebette statt des gierigen Eis- und Erb-Blickes ängstliche verweinte Augen antrefft, die das erkaltende Leben anwärmen und euch das Dunkel eurer letzten Stunde mit dem Danke für ihre erste erleuchten – Lehrt lieben, sagt' ich, das heißt: liebt!
- Jean Paul

Klugwort Reflexion zum Zitat
Jean Pauls Zitat ist ein eindringlicher Appell an Eltern, ihren Kindern die Fähigkeit zur Liebe mitzugeben – nicht als theoretisches Gebot, sondern durch ihr eigenes Beispiel. Er setzt die Liebe an die Stelle aller Regeln und Gesetze, indem er sie als die zentrale Kraft beschreibt, die ein erfülltes und menschliches Leben ermöglicht. Jean Paul vergleicht das Gewinnen von Herzen mit dem friedlichen Vereinen von Ländern und mahnt, dass Kriege – metaphorisch oder real – stets Verluste bedeuten.
Das Zitat fordert dazu auf, Liebe nicht nur als romantische oder familiäre Beziehung zu verstehen, sondern als eine Lebenshaltung, die Mitgefühl, Empathie und Großzügigkeit umfasst. Es ist eine Einladung, Kinder so zu erziehen, dass sie ein Leben führen können, das durch Wärme und Verbindungen geprägt ist, anstatt durch Egoismus und Konflikt. Der Gedanke, dass Kinder mit Liebe aufwachsen sollen, damit sie diese an ihre Eltern im Alter zurückgeben können, schafft eine tiefgreifende Perspektive auf den Kreislauf von Geben und Nehmen im Leben.
Für den Leser ist das Zitat eine Erinnerung daran, wie entscheidend Liebe für zwischenmenschliche Beziehungen und für die eigene Lebenszufriedenheit ist. Jean Pauls Worte inspirieren dazu, Liebe aktiv zu leben und sie als Fundament für die Erziehung der nächsten Generation zu sehen. In einer Welt, die oft von Härte und Konkurrenzdenken geprägt ist, bleibt seine Botschaft eine zeitlose Mahnung zur Menschlichkeit.
Zitat Kontext
Jean Paul, ein Schriftsteller der Romantik, war bekannt für seine emotionalen und philosophischen Reflexionen über das menschliche Leben. Dieses Zitat entstand in einer Epoche, in der Erziehung stark durch moralische und religiöse Prinzipien geprägt war. Jean Paul bricht mit diesem strengen Ansatz und plädiert stattdessen für die Liebe als oberstes Erziehungsprinzip. Seine Worte reflektieren eine romantische Weltanschauung, die das Individuum und seine Gefühle ins Zentrum stellt.
Historisch betrachtet war das frühe 19. Jahrhundert, in dem Jean Paul schrieb, eine Zeit großer Umbrüche, in der gesellschaftliche Normen und Werte neu verhandelt wurden. Sein Appell, die Liebe ins Zentrum zu stellen, war auch eine Kritik an einer oft kalten und reglementierten Welt, die er als ‚Eismonat der Zeit‘ bezeichnet. Diese Metapher verdeutlicht sein Anliegen, Wärme und Menschlichkeit in eine zunehmend entfremdete Gesellschaft zu bringen.
Philosophisch knüpft das Zitat an humanistische Ideen an, die Liebe als transformative Kraft betrachten. Jean Pauls Worte bleiben auch heute aktuell, da sie die Bedeutung von Mitgefühl und Menschlichkeit in einer Welt betonen, die oft von Individualismus und materiellen Werten geprägt ist. Sie erinnern daran, dass echte Liebe nicht nur erlernt, sondern vorgelebt werden muss – eine Botschaft, die universell gültig ist.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Jean Paul
- Tätigkeit:
- deutscher Schriftsteller
- Epoche:
- Romantik
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- Emotion:
- Keine Emotion