Mir, der ich selten selbst geschrieben, was ich zum Druck beförderte und, weil ich diktierte, mich dazu verschiedener Hände bedienen mußte, war die konsequente Rechtschreibung immer ziemlich gleichgültig. Wie dieses oder jenes Wort geschrieben wird, darauf kommt es doch eigentlich nicht an, sondern darauf, daß die Leser verstehen, was man damit sagen wollte.
- Johann Wolfgang von Goethe

Klugwort Reflexion zum Zitat
Johann Wolfgang von Goethe zeigt in diesem Zitat seine pragmatische Haltung zur Sprache und insbesondere zur Rechtschreibung. Für ihn ist die Rechtschreibung kein Selbstzweck, sondern lediglich ein Mittel zum Zweck, um Inhalte verständlich zu machen. Diese Haltung spiegelt eine Prioritätensetzung wider, die sich mehr auf die Essenz des Gesagten und weniger auf die formale Korrektheit konzentriert.
Goethes Aussage erinnert uns daran, dass Sprache ein Werkzeug der Kommunikation ist und dass der Fokus auf Inhalt und Klarheit wichtiger ist als auf formale Details. Dies kann auch auf moderne Diskussionen um Sprachwandel und -regeln angewendet werden, wo oft der Streit zwischen Traditionalisten und Pragmatikern ausgetragen wird. Goethe würde wohl argumentieren, dass die Verständigung an erster Stelle stehen sollte, was ihm in einer Zeit, in der er oft diktierte und mit verschiedenen Schreibern arbeitete, besonders wichtig war.
Das Zitat regt dazu an, über den Zweck von Sprachregeln nachzudenken. Sollten diese in erster Linie Verständlichkeit und Präzision fördern, oder dienen sie auch der Ästhetik und dem kulturellen Erbe? Goethes pragmatische Sichtweise kann als Inspiration dienen, die Sprache als lebendiges und flexibles Medium zu betrachten.
Zitat Kontext
Johann Wolfgang von Goethe, einer der bedeutendsten Dichter und Denker der deutschen Literatur, äußerte diese Worte in einer Zeit, in der Standards der Rechtschreibung noch nicht so fest etabliert waren wie heute. In seiner Funktion als Staatsmann, Schriftsteller und Gelehrter war Goethe ein vielbeschäftigter Mann, der seine Werke oft diktierte und sich auf die Mitarbeit anderer verließ. Seine Gleichgültigkeit gegenüber der Rechtschreibung zeigt, dass er Sprache vor allem als Medium für Gedanken und Ideen betrachtete, weniger als ein starres System von Regeln.
Goethes Haltung kann im Kontext der Aufklärung gesehen werden, einer Epoche, die Wert auf Vernunft, Pragmatismus und Nutzen legte. Er unterstreicht die zentrale Rolle der Leser und ihrer Fähigkeit, den Inhalt zu verstehen, unabhängig von orthographischen Details. Diese Sichtweise war zu seiner Zeit nicht selbstverständlich, da die aufkommenden Debatten um eine einheitliche Rechtschreibung oft von normativen Ansprüchen geprägt waren.
Heute, in einer Zeit von digitalen Medien und sich schnell wandelnder Sprache, wirkt Goethes Perspektive aktueller denn je. Seine Aussage erinnert daran, dass Sprache in erster Linie der Verständigung dient und dass ihre Regeln der Kommunikation und nicht umgekehrt untergeordnet sein sollten. Goethes Pragmatismus bleibt ein wertvoller Beitrag zur Diskussion über Sprache und ihre Funktion in der Gesellschaft.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Johann Wolfgang von Goethe
- Tätigkeit:
- Dichter, Schriftsteller, Naturwissenschaftler,
- Epoche:
- Klassik
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- Emotion:
- Keine Emotion