Geschrieben steht: "Im Anfang war das Wort!"/ Hier stock ich schon! Wer hilft mir weiter fort?/ Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen.

- Johann Wolfgang von Goethe

Johann Wolfgang von Goethe

Klugwort Reflexion zum Zitat

Johann Wolfgang von Goethe greift in diesem Zitat auf den berühmten Anfang des Johannesevangeliums zurück, um eine kritische Reflexion über die Bedeutung von Sprache und deren Rolle in der menschlichen Existenz anzustoßen. Der Sprecher hinterfragt den Stellenwert des „Wortes“ und äußert Zweifel an seiner zentralen Position im Ursprung der Welt.

Dieses Zitat, entnommen aus „Faust“, zeigt die intellektuelle Rastlosigkeit des Protagonisten, der versucht, die tiefsten Wahrheiten des Daseins zu entschlüsseln. Fausts Unbehagen gegenüber der Erhabenheit des „Wortes“ lenkt die Aufmerksamkeit auf die Grenzen der Sprache: Kann sie wirklich die Ursprünge des Lebens und des Seins angemessen erfassen? Oder ist das „Wort“ lediglich ein menschliches Konstrukt, das der unermesslichen Realität nicht gerecht wird?

Die Reflexion über dieses Zitat führt zur Erkenntnis, dass Sprache zwar ein fundamentales Mittel der menschlichen Erkenntnis ist, jedoch möglicherweise unzureichend, um die tiefsten metaphysischen Fragen zu beantworten. Es regt dazu an, die Beziehung zwischen Sprache, Bedeutung und Wahrheit kritisch zu hinterfragen und nach Alternativen zu suchen, um die Essenz des Lebens zu verstehen.

Goethes Worte haben auch heute noch eine starke Resonanz. In einer Welt, die von Kommunikation und Informationsflut geprägt ist, erinnert uns das Zitat daran, dass Sprache ihre Grenzen hat. Es fordert dazu auf, über die Rolle des „Wortes“ in unserem Denken nachzudenken und gleichzeitig offen für andere Formen der Erkenntnis zu sein – sei es durch Erfahrung, Emotion oder Intuition.

Zitat Kontext

Dieses Zitat stammt aus Goethes Meisterwerk „Faust“, einem der bedeutendsten Werke der deutschen Literatur. Es steht am Anfang von Fausts Übersetzungsversuch des Johannesevangeliums und markiert einen entscheidenden Moment in seiner Auseinandersetzung mit grundlegenden philosophischen und theologischen Fragen.

Goethe, geprägt von der Aufklärung und dem Sturm und Drang, reflektiert in „Faust“ die Spannungen zwischen Vernunft, Glaube und den Grenzen menschlicher Erkenntnis. Der Bezug auf den biblischen Text „Im Anfang war das Wort“ zeigt die Auseinandersetzung mit christlicher Tradition, während Fausts Zweifel die Fragen der Moderne nach der Rolle von Sprache und ihrer Fähigkeit, die Wahrheit zu erfassen, vorwegnehmen.

Historisch gesehen, spiegelt das Zitat den Übergang von einer religiös geprägten Weltanschauung zu einer wissenschaftlich und philosophisch geprägten Sichtweise wider. Es verdeutlicht die intellektuelle Suche der damaligen Zeit nach neuen Wegen, das Leben und die Welt zu verstehen.

Auch heute bleibt dieses Zitat relevant, da es die grundlegende Frage nach den Mitteln und Grenzen der menschlichen Erkenntnis stellt. Goethes Werk fordert dazu auf, die eigenen Überzeugungen zu hinterfragen, sich mit den Grenzen der Sprache auseinanderzusetzen und nach tieferem Verständnis zu streben, das über die bloßen Worte hinausgeht.

Daten zum Zitat

Autor:
Johann Wolfgang von Goethe
Tätigkeit:
Dichter, Schriftsteller, Naturwissenschaftler,
Epoche:
Klassik
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Emotion:
Keine Emotion