Laß die Einbildung schwinden, und es schwindet die Klage, daß man dir Böses getan. Mit der Unterdrückung der Klage: »Man hat mir Böses getan« ist das Böse selbst unterdrückt.
- Marc Aurel

Klugwort Reflexion zum Zitat
Marc Aurel drückt in diesem Zitat eine zentrale Idee der stoischen Philosophie aus: Das Böse existiert nicht in den Dingen selbst, sondern in unserer Wahrnehmung und Bewertung dieser Dinge. Er betont, dass das Leiden oft nicht aus den Handlungen anderer entsteht, sondern aus unserer eigenen Interpretation dieser Handlungen.
Diese Sichtweise lädt dazu ein, über die Natur von Verletzungen und Ungerechtigkeit nachzudenken. Oft fühlen wir uns durch Worte oder Taten anderer verletzt, doch diese Verletzung wird durch unsere eigene Reaktion verstärkt. Marc Aurel fordert uns auf, unsere Einstellung zu kontrollieren – anstatt uns von negativen Ereignissen überwältigen zu lassen, sollten wir lernen, unsere Emotionen zu beherrschen.
Das Zitat regt dazu an, über die eigene Reaktion auf vermeintliche Ungerechtigkeiten nachzudenken. Ist es wirklich notwendig, sich an negativen Erlebnissen festzuhalten? Haben wir die Kontrolle darüber, wie wir auf äußere Umstände reagieren? Die stoische Philosophie lehrt, dass es nicht die Dinge selbst sind, die uns schaden, sondern unsere Interpretation dieser Dinge.
Kritisch könnte man fragen, ob diese Haltung nicht dazu führt, Ungerechtigkeit einfach hinzunehmen. Sollte man sich nicht gegen tatsächliches Unrecht zur Wehr setzen? Doch Marc Aurel spricht hier nicht von Passivität, sondern von innerer Unabhängigkeit. Sein Zitat lädt dazu ein, sich nicht von negativen Emotionen beherrschen zu lassen – sondern mit Klarheit und Gelassenheit auf Herausforderungen zu reagieren.
Zitat Kontext
Marc Aurel (121–180 n. Chr.) war römischer Kaiser und einer der bekanntesten Vertreter der stoischen Philosophie. Seine *Selbstbetrachtungen* sind ein herausragendes Werk über Ethik, Disziplin und die Kunst, das Leben mit Weisheit und Gelassenheit zu führen.
Das Zitat steht im Kontext der stoischen Lehre, die besagt, dass unser Glück nicht von äußeren Umständen, sondern von unserer inneren Haltung abhängt. Marc Aurel vertrat die Ansicht, dass negative Emotionen wie Wut, Groll oder Klagen uns selbst mehr schaden als die eigentlichen Ereignisse.
Historisch betrachtet, lebte Marc Aurel in einer Zeit großer politischer und militärischer Herausforderungen. Trotz der äußeren Krisen versuchte er, seine Herrschaft auf philosophische Prinzipien zu stützen und sich nicht von Emotionen oder persönlichen Feindseligkeiten leiten zu lassen. Sein Zitat spiegelt diese stoische Denkweise wider.
Auch heute bleibt das Zitat aktuell. In einer Welt voller Konflikte, sozialer Medien und Meinungsverschiedenheiten stellt sich die Frage: Wie sehr lassen wir uns von negativen Erfahrungen beeinflussen? Marc Aurels Worte laden dazu ein, die Kontrolle über unsere Emotionen zu übernehmen – nicht um Ungerechtigkeit zu ignorieren, sondern um klarer und souveräner mit ihr umzugehen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Marc Aurel
- Tätigkeit:
- römischer Kaiser, Philosoph
- Epoche:
- Klassische Antike
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- Emotion:
- Keine Emotion