Glauben und Wissen vertragen sich nicht wohl im selben Kopfe: sie sind darin wie Wolf und Schaf in einem Käfig; und zwar ist das Wissen der Wolf, der den Nachbarn aufzufressen droht.
- Arthur Schopenhauer

Klugwort Reflexion zum Zitat
Arthur Schopenhauer beschreibt in diesem Zitat die grundlegende Spannung zwischen Glauben und Wissen. Der Vergleich von Glauben mit einem Schaf und Wissen mit einem Wolf verdeutlicht die ungleichen Kräfteverhältnisse. Während der Glaube oft von Trost, Tradition und festen Überzeugungen lebt, basiert Wissen auf kritischem Denken, Empirie und der Suche nach objektiven Wahrheiten. Schopenhauer stellt Wissen als die stärkere, aber auch potenziell zerstörerische Kraft dar, die den Glauben in Frage stellt oder verdrängt.
Die Reflexion über dieses Zitat zeigt, dass Schopenhauer die Konflikte anspricht, die entstehen, wenn rationales Denken und tief verwurzelte Überzeugungen aufeinanderprallen. Diese Dynamik kann in persönlichen wie auch gesellschaftlichen Kontexten beobachtet werden, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse traditionelle Glaubenssysteme herausfordern. Schopenhauers Bild mahnt jedoch auch zur Vorsicht: Einseitige Rationalität könnte den Trost und die moralische Orientierung, die Glaubenssysteme bieten, gefährden.
Das Zitat inspiriert dazu, eine Balance zwischen Glauben und Wissen zu suchen. Es fordert dazu auf, die eigene Haltung zu reflektieren und sowohl die Stärke des kritischen Denkens als auch die emotionale und soziale Bedeutung des Glaubens anzuerkennen. Schopenhauers Einsicht ist eine Einladung, die Spannungen zwischen diesen beiden Kräften produktiv zu nutzen, anstatt sie als unvereinbar abzutun.
Zitat Kontext
Arthur Schopenhauer, ein bedeutender Philosoph des 19. Jahrhunderts, setzte sich intensiv mit den Themen Vernunft, Erkenntnis und menschliche Natur auseinander. Dieses Zitat spiegelt seine skeptische Haltung gegenüber religiösen und metaphysischen Glaubenssystemen wider, die er oft als unvereinbar mit dem rationalen Streben nach Wahrheit betrachtete.
Im historischen Kontext der Aufklärung und des aufkommenden wissenschaftlichen Fortschritts steht dieses Zitat in einer Zeit, in der traditionelle religiöse Autoritäten zunehmend durch rationale und wissenschaftliche Erklärungsmodelle herausgefordert wurden. Schopenhauer sieht den Glauben als etwas, das durch Wissen nicht nur infrage gestellt, sondern letztlich verdrängt werden könnte.
Auch heute bleibt dieses Zitat relevant, da die Spannungen zwischen Glaubenssystemen und wissenschaftlichen Erkenntnissen weiterhin ein zentrales Thema sind. Es erinnert daran, dass die Auseinandersetzung zwischen Glauben und Wissen eine Quelle für Wachstum und Reflexion sein kann, sofern beide Seiten mit Respekt und Offenheit betrachtet werden. Schopenhauers Metapher ermutigt dazu, die Dynamik dieser beiden Kräfte kritisch, aber nicht destruktiv, zu verstehen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Arthur Schopenhauer
- Tätigkeit:
- deutscher Philosoph
- Epoche:
- Moderne
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- Emotion:
- Keine Emotion