Er [der wahre Virtuose] spottet bei sich über jede uneingeschränkte Bewunderung, und nur das Lob desjenigen kitzelt ihn, von dem er weiß, daß er auch das Herz hat, ihn zu tadeln.

- Gotthold Ephraim Lessing

Gotthold Ephraim Lessing

Klugwort Reflexion zum Zitat

Gotthold Ephraim Lessing beschreibt in diesem Zitat das Wesen eines wahren Virtuosen – eines Künstlers oder Meisters in seinem Fach. Ein solcher Mensch ist nicht auf oberflächliche Bewunderung angewiesen, sondern schätzt nur die Anerkennung derjenigen, die auch den Mut haben, ihn zu kritisieren.

Diese Betrachtung verweist auf eine tiefere Wahrheit über Exzellenz: Wer wirklich außergewöhnlich ist, sucht keine blinde Verehrung, sondern ehrliche Rückmeldung. Nur durch Kritik kann wahre Meisterschaft wachsen – und nur diejenigen, die kritisieren, weil sie den Wert des Werkes erkennen, sind als Beurteiler wertvoll.

Das Zitat regt dazu an, über unser eigenes Verhältnis zu Lob und Kritik nachzudenken. Suchen wir Bestätigung um ihrer selbst willen, oder wollen wir wirklich besser werden? Wie gehen wir mit ehrlicher Kritik um? Lessing fordert uns auf, nicht in die Falle der Eitelkeit zu tappen – sondern Wertschätzung dort zu suchen, wo sie mit echter Reflexion verbunden ist.

Kritisch könnte man fragen, ob es nicht auch eine Gefahr gibt, sich nur auf Kritiker zu verlassen. Ist es nicht ebenso wichtig, Lob annehmen zu können, auch wenn es nicht von einem analytischen Geist kommt? Doch Lessings Zitat ist keine Ablehnung von Anerkennung, sondern eine Erinnerung daran, dass wahre Entwicklung nur dort geschieht, wo auch ehrliche Kritik Platz hat. Seine Worte laden dazu ein, das Gleichgewicht zwischen Lob und Reflexion zu finden – und den Wert einer klugen, aber wohlmeinenden Kritik zu erkennen.

Zitat Kontext

Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781) war ein deutscher Schriftsteller, Philosoph und Dramatiker der Aufklärung. Seine Werke setzen sich oft mit Wahrheitssuche, Kritik und der Rolle von Vernunft und Bildung auseinander.

Das Zitat steht im Kontext seiner Überlegungen zur Kunst und zum Wesen der wahren Meisterschaft. Lessing glaubte, dass ein echter Künstler oder Gelehrter nicht nach oberflächlicher Bewunderung strebt, sondern nach echter Weiterentwicklung – die nur durch kluge Kritik möglich ist.

Historisch betrachtet, lebte Lessing in einer Zeit, in der sich das Ideal des kritischen Denkens und der Aufklärung etablierte. Sein Zitat kann als Ausdruck dieses Ideals verstanden werden – einer Haltung, die Wahrheit und Fortschritt über bloße Ehrerbietung stellt.

Auch heute bleibt das Zitat aktuell. In einer Welt, in der soziale Medien oft schnelle Bestätigung liefern, stellt sich die Frage: Suchen wir wahres Wachstum oder nur Anerkennung? Lessings Worte laden dazu ein, wahre Größe nicht an Applaus zu messen – sondern an der Fähigkeit, ehrliche Kritik zu nutzen.

Daten zum Zitat

Autor:
Gotthold Ephraim Lessing
Tätigkeit:
deutscher Dichter, Schriftsteller, Philosoph und Dramatiker
Epoche:
Aufklärung
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Emotion:
Keine Emotion