Von einem Autor zu erwarten, dass er so redet, wie er schreibt, ist lächerlich; und selbst wenn er es täte, würde man ihn als Pedant tadeln.
- William Hazlitt

Klugwort Reflexion zum Zitat
William Hazlitts Zitat beleuchtet auf humorvolle und zugleich tiefsinnige Weise die Diskrepanz zwischen der schriftlichen und der mündlichen Ausdrucksweise eines Autors. Schriftsteller sind oft Meister der Worte, die auf dem Papier präzise, elegant und bedacht formulieren. Ihre Gedanken wirken geordnet, durchdacht und idealisiert. Doch die Erwartung, dass diese sprachliche Perfektion auch im alltäglichen Gespräch präsent ist, ist laut Hazlitt unrealistisch und unfair.
Die schriftliche Sprache ermöglicht Zeit zur Reflexion und Überarbeitung, während das gesprochene Wort flüchtig und spontan ist. Hierin liegt der Kern der Aussage: Ein Autor kann durch sein Schreiben eine Welt erschaffen, die in ihrer Struktur und Klarheit kaum mit der Unmittelbarkeit des mündlichen Ausdrucks vergleichbar ist. Würde er tatsächlich so sprechen, wie er schreibt, würde man ihn als "Pedant" – also als übermäßig korrekten, belehrenden Menschen – kritisieren.
Hazlitt fordert uns dazu auf, die Kunst des Schreibens und die Natürlichkeit der mündlichen Kommunikation zu unterscheiden. Beide haben ihren Wert und ihre Funktion. Im Alltag wünschen wir uns spontane, lebendige Dialoge, keine perfekt formulierten Abhandlungen. Das Zitat regt uns daher an, Toleranz und Verständnis für die unterschiedlichen Ebenen der Sprache zu entwickeln und den Autor nicht an seinem literarischen Werk zu messen, wenn er spricht.
Letztlich erinnert uns Hazlitts Gedanke daran, dass Sprache situativ ist. Der Mensch als Autor darf die Freiheit besitzen, in seiner Kunst zu brillieren, ohne den Druck zu verspüren, seine literarische Virtuosität im Alltag zur Schau zu stellen.
Zitat Kontext
William Hazlitt (1778–1830) war ein bedeutender englischer Essayist, Literaturkritiker und Philosoph der Romantik. Seine Schriften zeichnen sich durch Scharfsinn, Humor und eine oft kritische Beobachtung der menschlichen Natur aus. Hazlitt beschäftigte sich intensiv mit Themen wie Kreativität, Authentizität und der Rolle des Schriftstellers in der Gesellschaft.
Das Zitat spiegelt die zeitgenössische Debatte wider, die zur Zeit Hazlitts in intellektuellen Kreisen geführt wurde: Muss ein Autor immer seinem literarischen Ideal entsprechen? Die Erwartung, dass jemand im persönlichen Gespräch ebenso eloquent und präzise formuliert wie in seinen Werken, war damals wie heute ein Thema, das zu Missverständnissen führt.
Im historischen Kontext der Romantik, einer Epoche, die das Individuum und dessen Ausdruck in den Mittelpunkt stellte, war Hazlitts Aussage besonders relevant. Schriftsteller wie Wordsworth, Coleridge und Keats beschäftigten sich mit der Frage nach Natürlichkeit und Künstlichkeit in der Sprache. Hazlitts ironische Kritik zeigt, dass auch im 19. Jahrhundert bereits das Spannungsverhältnis zwischen literarischer Kunstfertigkeit und Alltagskommunikation existierte.
Bis heute besitzt Hazlitts Beobachtung Gültigkeit. In der modernen Gesellschaft, die Autoren und öffentliche Figuren oft unter ständige Beobachtung stellt, bleibt die Trennung von öffentlicher Kunst und persönlicher Ausdrucksweise schwierig. Hazlitts Zitat erinnert uns daran, dass die schriftstellerische Leistung nicht durch das private Gespräch bewertet werden sollte und dass Authentizität nicht zwangsläufig Perfektion bedeutet.
Daten zum Zitat
- Autor:
- William Hazlitt
- Tätigkeit:
- englischer Essayist, Literaturkritiker und Schriftsteller
- Epoche:
- Romantik
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- Emotion:
- Keine Emotion