Ein literarischer Dieb, der sich das Stehlen recht sauer werden läßt, kann sein Leben lang für einen originellen und ehrlichen Mann gelten.
- Marie von Ebner-Eschenbach

Klugwort Reflexion zum Zitat
Marie von Ebner-Eschenbachs Zitat beleuchtet auf ironische Weise die Grenzen von Originalität und Ehrlichkeit in der Literatur und darüber hinaus. Sie beschreibt, wie jemand, der sich die Mühe macht, das Übernommene kreativ und geschickt umzuwandeln, als originell und authentisch wahrgenommen werden kann, obwohl die Grundlage seines Schaffens nicht gänzlich eigenständig ist.
Dieses Zitat fordert uns dazu auf, über die Definition von Originalität nachzudenken. Wie viel von dem, was wir als originell betrachten, ist tatsächlich neu, und wie viel basiert auf dem Werk anderer? Ebner-Eschenbach zeigt auf, dass der Unterschied zwischen kreativem Schaffen und intellektuellem Diebstahl oft in der Wahrnehmung und Präsentation liegt. Ihre Worte sind nicht nur eine kritische Reflexion über die Literatur, sondern auch über die menschliche Natur und die Tendenz, die Anstrengung mehr zu schätzen als die Quelle.
In einer Zeit, in der Inhalte durch Digitalisierung leichter kopiert und verbreitet werden können, ist dieses Zitat besonders aktuell. Es erinnert uns daran, die Grenze zwischen Inspiration und Plagiat zu erkennen und den Wert von Transparenz und Anerkennung anderer Werke zu schätzen. Gleichzeitig regt es dazu an, kreative Prozesse nicht zu idealisieren, sondern realistisch zu betrachten: Wahre Originalität entsteht oft durch eine bewusste Weiterentwicklung vorhandener Ideen.
Zitat Kontext
Marie von Ebner-Eschenbach, eine der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts, war bekannt für ihre klugen und oft ironischen Beobachtungen der menschlichen Natur. Ihr Werk zeichnet sich durch psychologische Tiefe und prägnante Aphorismen aus, die grundlegende menschliche Fragen aufgreifen.
Dieses Zitat spiegelt Ebner-Eschenbachs Fähigkeit wider, die oft verborgenen Mechanismen der Kreativität und gesellschaftlichen Anerkennung zu hinterfragen. In ihrer Zeit, die von literarischen und kulturellen Umbrüchen geprägt war, bot sie eine kritische Perspektive auf die Dynamik von Ruhm und Authentizität.
Im heutigen Kontext bleibt das Zitat relevant, da es die Grenzen zwischen Inspiration, Anpassung und Plagiat anspricht – ein Thema, das in der kreativen und digitalen Welt von großer Bedeutung ist. Es lädt dazu ein, darüber nachzudenken, wie wir Originalität definieren und bewerten, und erinnert daran, dass ehrliches Schaffen nicht nur darin besteht, Neues zu erschaffen, sondern auch darin, die Ursprünge zu respektieren und zu würdigen. Ebner-Eschenbachs Worte sind ein Aufruf zu Integrität und Reflexion in jedem kreativen Prozess.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Marie von Ebner-Eschenbach
- Tätigkeit:
- Österreichische Schriftstellerin
- Epoche:
- Realismus
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- Emotion:
- Keine Emotion