Die wahre Metaphysik beruht in dem Glauben, daß einmal Ruhe wird. Der Gedanke an eine Auferstehung der Fleischer widersteht ihr.
- Karl Kraus

Klugwort Reflexion zum Zitat
Karl Kraus bringt in diesem Zitat eine tiefgründige und zugleich provokative Sichtweise auf Metaphysik und die menschliche Existenz zum Ausdruck. Der Glaube an eine endgültige Ruhe steht für eine Sehnsucht nach Frieden und die Überwindung von Chaos und Konflikten. Gleichzeitig spottet Kraus über die Vorstellung einer ‚Auferstehung der Fleischer‘ – möglicherweise eine Anspielung auf die Rückkehr von Gewalt und materialistischen Trieben, die der metaphysischen Idee des Friedens und der Harmonie entgegenstehen.
Die Reflexion über dieses Zitat zeigt, wie Kraus den Gegensatz zwischen geistiger Ruhe und den rohen, irdischen Kräften der Menschheit aufzeigt. Seine ‚wahre Metaphysik‘ ist nicht von einer konkreten religiösen Vorstellung geprägt, sondern scheint eher eine philosophische Hoffnung auf eine Befreiung von den Konflikten und Lasten des Lebens zu sein. Der Gedanke, dass jene, die mit den gewaltsameren Aspekten des Lebens assoziiert werden, ‚auferstehen‘ könnten, wirkt als ironische Abkehr von einer idealistischen Vorstellung des Seins.
Das Zitat regt dazu an, über die Natur von Metaphysik und deren Bezug zur Realität nachzudenken. Ist Metaphysik eine Flucht vor der Unvollkommenheit der Welt, oder kann sie ein Weg sein, um das Chaos zu verstehen und zu bewältigen? Kraus’ skeptischer Ton legt nahe, dass er die Grenzen metaphysischer Konzepte in einer Welt anerkennt, die von Widersprüchen geprägt ist.
In einer modernen Welt, die oft von Unsicherheit und Konflikten geprägt ist, bleibt Kraus’ Gedanke relevant. Er fordert dazu auf, die Vorstellung von Ruhe und Frieden kritisch zu hinterfragen und sie nicht als selbstverständlich anzusehen. Sein Zitat ist ein Appell, über die tiefere Bedeutung von Metaphysik und deren Verhältnis zu den rohen Realitäten des Lebens nachzudenken – und dabei den Humor und die Ironie nicht zu verlieren.
Zitat Kontext
Karl Kraus, ein scharfzüngiger Satiriker und Kulturkritiker des frühen 20. Jahrhunderts, war bekannt für seine pointierten und oft provokativen Kommentare zu Gesellschaft, Philosophie und Kultur. Dieses Zitat spiegelt seinen kritischen Blick auf idealistische und religiöse Konzepte sowie deren Widerspruch zur Realität wider.
In einer Zeit, die von politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt war, bot Kraus eine Stimme, die sowohl zum Nachdenken als auch zur Hinterfragung tradierter Vorstellungen anregte. Seine Ironie und sein skeptischer Ton zielten darauf ab, die Diskrepanz zwischen idealistischen Theorien und der Realität des menschlichen Handelns aufzuzeigen.
Auch heute hat dieses Zitat eine zeitlose Relevanz. Es erinnert uns daran, Metaphysik nicht nur als Flucht vor der Realität zu betrachten, sondern ihre Rolle im Umgang mit den Herausforderungen und Widersprüchen des Lebens kritisch zu prüfen. Kraus’ Worte laden dazu ein, sowohl die Hoffnung auf Ruhe als auch die Rückkehr irdischer Konflikte mit einem scharfen, reflektierten Blick zu betrachten.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Karl Kraus
- Tätigkeit:
- österreichischer Schriftsteller, Publizist, Satiriker und Dramatiker
- Epoche:
- Moderne
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- Emotion:
- Keine Emotion