Die Kunst ist dem Philister der Aufputz für des Tages Müh' und Plage. Er schnappt nach den Ornamenten, wie der Hund nach der Wurst.

- Karl Kraus

Karl Kraus

Klugwort Reflexion zum Zitat

Karl Kraus bringt in diesem Zitat eine scharfe Kritik an der oberflächlichen Wahrnehmung von Kunst zum Ausdruck.

Er beschreibt den ‚Philister‘, eine Person, die Kunst lediglich als dekoratives Element wahrnimmt, das ihr Leben verschönern soll, ohne sich mit ihrem tieferen Sinn oder ihrer Bedeutung auseinanderzusetzen. Die Metapher des Hundes, der nach der Wurst schnappt, verdeutlicht den instinktiven, unreflektierten Umgang mit Kunst – eine Haltung, die Kraus als oberflächlich und konsumorientiert entlarvt.

Das Zitat regt dazu an, über den eigenen Umgang mit Kunst nachzudenken: Betrachten wir sie als bloße Unterhaltung oder als essenziellen Bestandteil unserer menschlichen Erfahrung, der uns zum Nachdenken, Fühlen und Verstehen anregt? Kunst, in ihrer reinsten Form, ist eine Herausforderung, ein Dialog und ein Spiegel der Gesellschaft. Doch sie wird oft auf ihren dekorativen oder unterhaltenden Wert reduziert.

Kraus’ Worte sind ein Aufruf, Kunst ernst zu nehmen und ihren tieferen Wert zu erkennen. Sie laden dazu ein, Kunst nicht als Konsumgut zu behandeln, sondern als etwas, das uns transformieren kann. Gleichzeitig ist es auch eine Warnung vor dem Verlust der Fähigkeit, Kunst in ihrer Tiefe wahrzunehmen, wenn wir sie lediglich als ästhetischen Trost in einem anstrengenden Alltag betrachten.

Zitat Kontext

Karl Kraus war ein österreichischer Schriftsteller, Satiriker und scharfer Kritiker der Gesellschaft seiner Zeit. Als Herausgeber der Zeitschrift *Die Fackel* nahm er kein Blatt vor den Mund, wenn es darum ging, die Schwächen der Bourgeoisie und die Heuchelei der modernen Gesellschaft aufzudecken. Dieses Zitat spiegelt seinen oft beißenden Ton und seine unnachgiebige Haltung gegenüber kultureller Oberflächlichkeit wider.

Zur Zeit Kraus’ war die Kunst vielfach zu einem Statussymbol der bürgerlichen Gesellschaft verkommen. Kunstwerke wurden nicht wegen ihres Inhalts oder ihrer Aussage geschätzt, sondern als Ausdruck von Reichtum und Prestige. Kraus, ein Verfechter der intellektuellen und moralischen Dimension der Kunst, sah diese Entwicklung mit Sorge.

Dieses Zitat ist eine ironische Anklage gegen die Entfremdung der Kunst von ihrem eigentlichen Zweck. Es ruft dazu auf, Kunst als ernstzunehmende kulturelle und geistige Ausdrucksform zu betrachten, die mehr ist als bloßer Zeitvertreib oder Zierde. Auch heute bleibt Kraus’ Kritik relevant, da Kunst in einer kommerzialisierten Welt oft ihrem Marktwert untergeordnet wird. Seine Worte fordern uns auf, die Kunst in ihrer ursprünglichen Kraft und Bedeutung wiederzuentdecken und sie nicht zu einer Ware zu degradieren, die lediglich zur Verschönerung des Alltags dient.

Daten zum Zitat

Autor:
Karl Kraus
Tätigkeit:
österreichischer Schriftsteller, Publizist, Satiriker und Dramatiker
Epoche:
Moderne
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Emotion:
Keine Emotion