Der Pfennig der Witwe wird von der Kirche dankbar quittiert. Willst du gleichen Lohn empfangen im Tempel der Kunst, dann sei ein Krösus und bringe dein Hab und Gut.
- Marie von Ebner-Eschenbach

Klugwort Reflexion zum Zitat
Marie von Ebner-Eschenbachs Zitat wirft ein kritisches Licht auf die unterschiedlichen Wertmaßstäbe und Belohnungssysteme in Gesellschaft und Kunst. Der 'Pfennig der Witwe', ein Symbol für bescheidene Opfer, wird in religiösen Kontexten als heilige Gabe anerkannt. Im Gegensatz dazu scheint die Kunstwelt – der 'Tempel der Kunst' – oft materiellen Reichtum und umfassende Investitionen zu verlangen, um Anerkennung und Belohnung zu gewähren.
Dieses Zitat regt dazu an, über die Diskrepanz zwischen moralischer und künstlerischer Wertschätzung nachzudenken. Während Bescheidenheit und Opfer im religiösen Kontext geachtet werden, scheint die Kunstwelt von anderen Regeln beherrscht zu sein, bei denen Status und finanzielle Macht eine größere Rolle spielen. Es spiegelt die Herausforderung wider, in der Kunstwelt authentisch anerkannt zu werden, ohne von äußeren Faktoren wie Reichtum beeinflusst zu sein.
Für den Leser ist dies eine Einladung, darüber nachzudenken, wie Kunst und Kultur in der heutigen Gesellschaft wertgeschätzt werden. Es könnte als Aufruf verstanden werden, sich für eine Kunstwelt einzusetzen, die echte Hingabe und kreative Leidenschaft über materielle Ressourcen stellt. Das Zitat erinnert daran, dass wahre Kunst keine finanziellen Barrieren kennen sollte, sondern in der Lage sein muss, alle Menschen unabhängig von ihrem Reichtum zu erreichen.
Zitat Kontext
Marie von Ebner-Eschenbach, eine der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts, war bekannt für ihre tiefgründigen Aphorismen und sozialen Beobachtungen. Ihr Zitat spiegelt die sozialen und kulturellen Realitäten ihrer Zeit wider, in der sowohl Kirche als auch Kunst wichtige, aber unterschiedlich bewertete Institutionen waren.
Im historischen Kontext steht die Kirche für eine moralische Instanz, die auch kleine Beiträge von Einzelnen anerkennt, während die Kunstwelt oft von Elitarismus und finanzieller Macht geprägt war. Dies war insbesondere in der Ära des aufstrebenden Bürgertums relevant, in der Kunstförderung zunehmend von wohlhabenden Gönnern und Mäzenen abhängig wurde.
Das Zitat bleibt aktuell, da es die Frage nach dem Zugang zur Kunst und der Anerkennung von künstlerischen Beiträgen thematisiert. In einer Zeit, in der finanzielle Macht in vielen Bereichen des kulturellen Lebens eine große Rolle spielt, erinnert Ebner-Eschenbach daran, dass Kunst nicht nur für die Reichen, sondern für alle Menschen geschaffen und geschätzt werden sollte. Ihr Werk fordert uns auf, Werte wie Demut und Authentizität in der Kunstwelt wieder stärker zu beachten.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Marie von Ebner-Eschenbach
- Tätigkeit:
- Österreichische Schriftstellerin
- Epoche:
- Realismus
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- Emotion:
- Keine Emotion