Das wäre ein sauberer Gott, der nichts Besseres darstellte, als diese zappelnde, leidende, blutende, sterbende Welt, deren Wesen eines das andre fressen und nur dadurch bestehn.
- Arthur Schopenhauer

Klugwort Reflexion zum Zitat
Arthur Schopenhauer äußert in diesem Zitat seine tiefgreifende Skepsis gegenüber der Vorstellung eines gütigen Gottes. Er verweist auf das Leid und die Grausamkeit der Welt und stellt die Frage, ob eine göttliche Instanz wirklich als moralisch überlegen betrachtet werden kann, wenn sie eine solche Realität erschaffen hat.
Diese Betrachtung verweist auf einen zentralen Aspekt von Schopenhauers Philosophie: die Idee, dass das Leben von Leid durchzogen ist und dass der Wille zum Leben unweigerlich zu Schmerz führt. In einer Welt, in der das Dasein von Kampf und Verzehr geprägt ist, fällt es schwer, an eine wohlwollende, allmächtige göttliche Ordnung zu glauben.
Das Zitat regt dazu an, über unser eigenes Gottesbild nachzudenken. Kann ein höheres Wesen existieren, das eine so feindselige Welt erschaffen hat? Oder ist es naiv, eine göttliche Instanz mit menschlichen Maßstäben moralischer Güte zu messen? Schopenhauer fordert uns auf, die Welt mit offenen Augen zu betrachten und nicht in theologischen Wunschvorstellungen zu verharren.
Kritisch könnte man fragen, ob Schopenhauer nicht eine einseitige Perspektive einnimmt. Ist die Welt wirklich nur grausam, oder gibt es nicht auch Schönheit, Freude und Liebe? Doch sein Zitat ist keine absolute Verurteilung, sondern eine provokative Reflexion über das Wesen der Existenz. Seine Worte laden dazu ein, über die Rolle des Leidens nachzudenken und die Annahmen über eine wohlwollende Ordnung infrage zu stellen.
Zitat Kontext
Arthur Schopenhauer (1788–1860) war ein deutscher Philosoph, bekannt für seine pessimistische Weltsicht und seine Kritik an metaphysischen Konstruktionen. Er sah die Welt als ein von Leid geprägtes System, in dem der Wille das treibende Prinzip ist.
Das Zitat steht im Kontext seiner umfassenden Kritik an religiösen Vorstellungen. Schopenhauer lehnte das Konzept eines moralisch perfekten Gottes ab, da er es mit der Realität des Leidens unvereinbar fand. Er betrachtete Religion als eine menschliche Konstruktion, die oft dazu dient, die harte Realität zu verschleiern.
Historisch betrachtet, lebte Schopenhauer in einer Zeit, in der Religion noch eine dominierende Kraft war, aber zunehmend von wissenschaftlichen und philosophischen Infragestellungen herausgefordert wurde. Sein Zitat kann als Teil dieser intellektuellen Bewegung verstanden werden, die versuchte, die Welt auf rationale Weise zu erklären.
Auch heute bleibt das Zitat aktuell. In einer Welt, in der Leid und Ungerechtigkeit nach wie vor existieren, stellt sich die Frage: Wie kann man das Dasein mit der Vorstellung eines gütigen Schöpfers vereinbaren? Schopenhauers Worte laden dazu ein, sich kritisch mit theologischen Annahmen auseinanderzusetzen – und die Welt so zu betrachten, wie sie ist, nicht, wie wir sie gerne hätten.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Arthur Schopenhauer
- Tätigkeit:
- deutscher Philosoph
- Epoche:
- Moderne
- Mehr?
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- Emotion:
- Keine Emotion