Das Reisen bildet sehr; es entwöhnt von allen Vorurteilen des Volkes, des Glaubens, der Familie, der Erziehung. Es gibt den humanen duldsamen Sinn, den allgemeinen Charakter. Wer dagegen nichts sah, was ihn in der Sphäre, worin er lebt, umgibt, hält leicht alles für notwendig und einzig in der Welt, weil es in seiner Heimat dafür gilt.
- Immanuel Kant

Klugwort Reflexion zum Zitat
Immanuel Kant hebt in diesem Zitat die transformative Kraft des Reisens hervor. Er sieht darin ein Mittel, um persönliche und kulturelle Vorurteile abzulegen und einen toleranten, weltoffenen Geist zu entwickeln. Reisen ermöglicht es, die engen Grenzen der eigenen Herkunft zu überwinden und einen Blick für die Vielfalt und Relativität menschlicher Werte und Überzeugungen zu gewinnen.
Diese Reflexion regt dazu an, die Bedeutung von Perspektivwechseln und Offenheit zu schätzen. Kant zeigt, dass wir durch Reisen nicht nur neue Orte, sondern auch neue Denkweisen entdecken können. Wer nie über den eigenen kulturellen Horizont hinausblickt, läuft Gefahr, die eigenen Normen und Traditionen als universell und unverrückbar anzusehen. Das Reisen lehrt, dass viele scheinbare Selbstverständlichkeiten kulturell geprägt sind und anderswo andere Werte und Sichtweisen gelten.
Das Zitat inspiriert dazu, die eigene Haltung zu hinterfragen: Wie oft betrachten wir unsere kulturellen oder persönlichen Überzeugungen als selbstverständlich? Kant ermutigt, die Welt mit Neugier und Demut zu erkunden, um nicht nur geografische, sondern auch geistige Grenzen zu überschreiten. Seine Worte erinnern uns daran, dass die Begegnung mit dem Unbekannten eine entscheidende Rolle dabei spielt, Toleranz, Verständnis und einen globalen Geist zu fördern.
Zitat Kontext
Immanuel Kant, einer der einflussreichsten Philosophen der Aufklärung, lebte in einer Zeit, in der Reisen zunehmend als Bildungserfahrung geschätzt wurde. Sein Werk betont die Bedeutung der Vernunft und der kosmopolitischen Perspektive. Dieses Zitat spiegelt seine Überzeugung wider, dass Bildung nicht nur durch Bücher, sondern auch durch Erfahrungen in der Welt erlangt wird.
Im historischen Kontext war das Reisen für die aufstrebende bürgerliche Schicht eine Möglichkeit, sich weiterzubilden und einen größeren Horizont zu entwickeln. Kants Aussage steht im Einklang mit der aufklärerischen Idee, dass Wissen und Toleranz durch die Begegnung mit Vielfalt wachsen. Gleichzeitig kritisiert er die Engstirnigkeit, die aus mangelnder Erfahrung resultiert.
Auch heute ist Kants Zitat hochaktuell, besonders in einer globalisierten Welt, in der kultureller Austausch und Reisen leicht zugänglich sind. Es erinnert uns daran, die Vorteile dieser Möglichkeiten zu nutzen, um Vorurteile abzubauen und eine offenere, inklusivere Haltung zu entwickeln. Seine Worte sind eine Einladung, die Welt mit einem offenen Geist zu erkunden und daraus persönliche und gesellschaftliche Lehren zu ziehen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Immanuel Kant
- Tätigkeit:
- Philosoph
- Epoche:
- Aufklärung
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- Emotion:
- Keine Emotion