Im Allgemeinen: Der Jüngling schwört es und der Mann vergißt es. Der sagt: so soll es sein! und der: so ist es.
- Christian Morgenstern
Klugwort Reflexion zum Zitat
Christian Morgensterns Zitat beschreibt auf poetische Weise den Unterschied in der Haltung zwischen jugendlichem Idealismus und der nüchternen Akzeptanz des Erwachsenseins. Der ‚Jüngling‘ steht hier für das Streben nach Veränderung, für Träume und für das Versprechen, die Welt nach seinen Idealen zu gestalten. Der ‚Mann‘ hingegen symbolisiert die Ernüchterung, die oft mit dem Alter einhergeht – die Akzeptanz von Dingen, wie sie sind, ohne den Drang, sie verändern zu wollen.
Die Aussage lädt dazu ein, über die Balance zwischen Idealismus und Realismus nachzudenken. Während jugendliche Begeisterung oft von Tatendrang und dem Wunsch nach Verbesserung geprägt ist, bringt das Alter die Weisheit (oder Resignation), die Realität anzunehmen. Morgenstern legt nahe, dass beides seinen Platz hat: Der Enthusiasmus der Jugend ist notwendig für Fortschritt, während die Reife des Erwachsenen Stabilität und Pragmatismus bietet. Doch das Zitat wirft auch die Frage auf, ob die ‚Vergesslichkeit‘ des Mannes ein Verlust von Idealen oder eine bewusste Entscheidung ist.
In einer Welt, die oft zwischen Fortschritt und Tradition schwankt, erinnert Morgensterns Aussage daran, dass sowohl jugendliche Visionen als auch erwachsene Gelassenheit wichtig sind. Es fordert dazu auf, im Laufe des Lebens nicht nur die Akzeptanz der Realität zu erlernen, sondern auch die Ideale und Träume der Jugend zu bewahren, um ein ausgewogenes und erfülltes Leben zu führen.
Zitat Kontext
Christian Morgenstern (1871–1914), ein deutscher Dichter und Schriftsteller, war bekannt für seinen feinen Humor, seine philosophischen Reflexionen und seine Fähigkeit, tiefe Wahrheiten in leicht zugängliche Worte zu fassen. Sein Werk, das oft zwischen Ironie und Weisheit oszilliert, spiegelt die Ambivalenzen des menschlichen Lebens wider.
Dieses Zitat passt in den Kontext einer Zeit, in der die Gesellschaft mit den Spannungen zwischen Tradition und Fortschritt, zwischen altem Glauben und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen rang. Morgenstern selbst war ein Denker, der sowohl die Begeisterung für das Neue als auch die Bedeutung des Verstehens und der Akzeptanz der Realität zu schätzen wusste.
Heute bleibt seine Einsicht relevant, da sie universelle menschliche Erfahrungen anspricht: die Entwicklung von der idealistischen Jugend zur reiferen Lebensphase. Morgensterns Worte erinnern daran, die Dynamik zwischen Idealismus und Realismus nicht als Gegensatz, sondern als sich ergänzende Perspektiven zu betrachten, die das Leben bereichern.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Christian Morgenstern
- Tätigkeit:
- deutscher Schriftsteller und Dichter
- Epoche:
- Moderne
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- Emotion:
- Keine Emotion