Wenn man fragt: »Würde mit der Leidenschaft nicht manche gute Tat wegfallen?« so heißt das: »Würde der, der, weil er keinen Zorn hätte, eine gute Tat unterließe, nicht Trägheit an dessen Statt haben?« Das heißt aber: »Welches ist besser, dieses oder jenes Laster?« und unsre Frage war doch: »Ist's nicht überhaupt besser, kein Laster zu haben?«
- Jean Paul

Klugwort Reflexion zum Zitat
Jean Paul regt mit diesem Zitat dazu an, über den Ursprung und die moralische Bewertung menschlicher Handlungen nachzudenken. Die Frage, ob Leidenschaft für gute Taten notwendig ist, wird von ihm auf eine tiefere Ebene gehoben: Er erkennt an, dass Leidenschaft, wie Zorn, Menschen zu positiven Handlungen treiben kann, hinterfragt jedoch, ob diese Motivation wirklich frei von moralischen Makeln ist. Anstatt sich mit der Wahl zwischen verschiedenen Lastern zu begnügen – sei es Zorn oder Trägheit –, fordert Jean Paul dazu auf, über die Möglichkeit eines Handelns nachzudenken, das völlig unabhängig von solchen Schwächen ist.
Dieses Zitat ruft uns dazu auf, die Qualität unserer Handlungen und deren Beweggründe zu hinterfragen. Es geht nicht nur darum, gute Taten zu vollbringen, sondern auch um die Reinheit der Motivation dahinter. Handeln wir aus Gerechtigkeitssinn, Mitgefühl oder vielleicht aus egoistischen Impulsen wie Wut oder Ehrgeiz? Jean Paul mahnt, dass wahre moralische Integrität darin besteht, nicht zwischen Lastern zu wählen, sondern sie ganz zu überwinden.
Die Reflexion inspiriert dazu, unsere eigenen Handlungsweisen zu hinterfragen und die inneren Beweggründe zu prüfen. Sie lädt dazu ein, ein Ideal anzustreben, bei dem Handlungen nicht durch Laster getrieben, sondern durch Tugend geleitet werden. Jean Pauls Worte erinnern uns daran, dass moralische Vollkommenheit nicht durch Kompromisse zwischen Schwächen, sondern durch deren Überwindung erreicht werden kann.
Zitat Kontext
Jean Paul, ein bedeutender Schriftsteller der deutschen Romantik, setzte sich oft mit philosophischen und moralischen Fragen auseinander. In einer Zeit, in der die Werte der Aufklärung auf romantische Ideale trafen, spiegeln seine Worte das Streben nach einer tiefergehenden Ethik wider, die über bloße Zweckmäßigkeit hinausgeht. Dieses Zitat zeigt seine Fähigkeit, komplexe moralische Dilemmata auf prägnante Weise zu formulieren und den Leser zu kritischem Nachdenken anzuregen.
Im historischen Kontext war die Romantik eine Epoche, die die Emotionalität und Leidenschaft des Menschen betonte, oft im Gegensatz zur rationalen Strenge der Aufklärung. Jean Pauls Zitat verbindet diese beiden Welten, indem es Leidenschaft als möglichen Motor für gute Taten anerkennt, gleichzeitig aber deren moralische Reinheit infrage stellt. Er fordert eine Ethik, die sowohl rational als auch emotional ausgewogen ist.
Auch heute ist das Zitat relevant, da es die universelle Frage nach den Beweggründen menschlichen Handelns aufwirft. Es lädt dazu ein, nicht nur auf das Ergebnis einer Handlung zu schauen, sondern auch auf die Motivation dahinter. Jean Pauls Worte bleiben eine zeitlose Aufforderung, in unseren moralischen Überlegungen nach höheren Idealen zu streben, die frei von Schwächen oder Kompromissen sind.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Jean Paul
- Tätigkeit:
- deutscher Schriftsteller
- Epoche:
- Romantik
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- Emotion:
- Keine Emotion