Wenn das Gute eine Ursache hat, hört es auf, das Gute zu sein, wenn es einen Lohn zur Folge hat, ist es auch nicht mehr das Gute. Folglich steht das Gute außerhalb der Kette von Ursache und Wirkung.
- Leo Tolstoi

Klugwort Reflexion zum Zitat
Leo Tolstois Zitat fordert eine tiefe Reflexion über die Natur des Guten. Er argumentiert, dass wahre Güte unabhängig von äußeren Motivationen oder Konsequenzen existieren muss. Sobald eine Handlung aus einer bestimmten Absicht heraus erfolgt – sei es als Reaktion auf eine Ursache oder mit der Erwartung einer Belohnung –, verliert sie ihre moralische Reinheit.
Diese Sichtweise erinnert an Konzepte in der Ethik, insbesondere an Kants Pflichtethik, die betont, dass moralisches Handeln nicht aus Eigeninteresse, sondern aus reiner moralischer Überzeugung geschehen sollte. Tolstoi geht noch weiter, indem er das Gute außerhalb der Kausalität verortet – es soll existieren, weil es existiert, nicht weil es einen Zweck erfüllt.
Das Zitat fordert dazu auf, über unsere eigenen Motive nachzudenken: Handeln wir wirklich aus reiner Güte, oder gibt es versteckte Erwartungen, sei es Anerkennung, Dank oder eine moralische Belohnung? Tolstoi ruft dazu auf, das Gute um seiner selbst willen zu tun, ohne nach Lohn oder Rechtfertigung zu suchen.
Letztlich regt sein Gedanke an, über die Bedingungslosigkeit von Mitgefühl und moralischem Handeln nachzudenken. Wahre Güte entsteht nicht aus Berechnung, sondern aus einer tiefen, inneren Überzeugung.
Zitat Kontext
Leo Tolstoi (1828–1910) war ein russischer Schriftsteller und Philosoph, bekannt für Werke wie 'Krieg und Frieden' und 'Anna Karenina'. Im späteren Leben entwickelte er eine stark moralische, fast asketische Philosophie, die christliche Nächstenliebe und Gewaltlosigkeit betonte.
Das Zitat steht in Zusammenhang mit seiner Überzeugung, dass wahre Tugend nicht aus äußeren Motiven resultieren kann. Tolstoi kritisierte Gesellschaften, in denen das Gute oft an Belohnung oder Anerkennung geknüpft ist, und plädierte für eine selbstlose Ethik.
Diese Denkweise steht im Kontrast zu utilitaristischen oder pragmatischen Ethiken, die moralisches Handeln anhand seiner Konsequenzen bewerten. Tolstoi hingegen sieht das Gute als etwas Absolutes, das jenseits von Ursache und Wirkung steht.
Seine Ideen bleiben auch heute von Bedeutung, besonders in einer Zeit, in der moralische Handlungen oft instrumentell eingesetzt werden. Seine Worte erinnern uns daran, dass wahre Ethik nicht in Berechnung oder Nutzen liegt, sondern in einem tiefen, inneren moralischen Imperativ.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Leo Tolstoi
- Tätigkeit:
- russischer Schriftsteller
- Epoche:
- Realismus
- Mehr?
- Alle Leo Tolstoi Zitate
- Emotion:
- Keine Emotion