O dann, ihr künftigen, ihr neuen Dioskuren, dann weilt ein wenig, wenn ihr vorüberkömmt, da, wo Hyperion schläft, weilt ahnend über des vergeßnen Mannes Asche, und sprecht: er wäre, wie unser einer, wär er jetzt da.

- Friedrich Hölderlin

Friedrich Hölderlin

Klugwort Reflexion zum Zitat

Hölderlin spricht hier in einer poetischen und fast prophetischen Weise zu zukünftigen Generationen und reflektiert über Vergänglichkeit und Anerkennung.

Er bittet die ‚künftigen Dioskuren‘ – eine Anspielung auf die mythologischen Zwillingssterne, die für Unsterblichkeit stehen –, für einen Moment an die Vergessenen zu denken. Dabei bezieht er sich auf Hyperion, die Titelfigur seines berühmten Romans, die symbolisch für den einsamen Idealisten steht.

Dieses Zitat ruft zur Erinnerung an jene auf, die in ihrer Zeit verkannt wurden. Viele große Denker und Künstler fanden erst posthum die Anerkennung, die ihnen zu Lebzeiten versagt blieb. Hölderlins eigene Biografie spiegelt dies wider: Er verbrachte viele Jahre in Isolation und wurde erst lange nach seinem Tod als einer der größten Dichter Deutschlands gewürdigt.

Sein Zitat regt dazu an, über die Vergänglichkeit menschlichen Ruhms nachzudenken. Es stellt die Frage: Wie gehen wir mit denjenigen um, die in ihrer Zeit missverstanden oder vergessen wurden? Und wer könnte heute zu den ‚Vergessenen‘ gehören, deren Wert erst von späteren Generationen erkannt wird?

Zitat Kontext

Friedrich Hölderlin (1770–1843) war ein deutscher Dichter, dessen Werk stark von der griechischen Mythologie, der Romantik und der deutschen Klassik geprägt war.

Dieses Zitat stammt aus einem seiner späten Werke und reflektiert seinen eigenen Lebensweg. Hölderlin wurde zu Lebzeiten kaum gewürdigt und verbrachte viele Jahre in geistiger Umnachtung. Erst im 20. Jahrhundert wurde er als einer der bedeutendsten deutschen Dichter anerkannt.

Seine Anspielung auf die Dioskuren zeigt eine tiefe Sehnsucht nach Unsterblichkeit und Anerkennung über den Tod hinaus. In der Antike galten die Dioskuren als Schutzpatrone und Symbol der Unvergänglichkeit. Hölderlin verbindet dieses Motiv mit der Erinnerung an diejenigen, die vergessen wurden.

Auch heute bleibt seine Botschaft relevant. Viele kreative und visionäre Menschen erfahren erst spät oder gar nicht die Wertschätzung, die sie verdienen. Sein Zitat fordert uns dazu auf, über unser Verhältnis zu Kunst, Anerkennung und Erinnerung nachzudenken – und darüber, wem wir zu Lebzeiten die Wertschätzung entgegenbringen sollten, die er verdient.

Daten zum Zitat

Autor:
Friedrich Hölderlin
Tätigkeit:
deutscher Dichter
Epoche:
Romantik
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Emotion:
Keine Emotion