Nur eine Spanne Zeit trennte ihn von dem Augenblick, in dem er Abschied von ihr genommen, es hatte sich darin so gut wie nichts begeben, nicht ein Ereignis, das der Mühe lohnte erzählt zu werden, und doch: ihm schien sie lang und inhaltsreich, diese kurze, stille Zeit; er meinte fast in ihr mehr erlebt zu haben als in seinem ganzen übrigen Dasein.
- Marie von Ebner-Eschenbach

Klugwort Reflexion zum Zitat
Marie von Ebner-Eschenbach beschreibt in diesem Zitat die subjektive Wahrnehmung von Zeit und das intensive Erleben bestimmter Momente. Die kurze Zeitspanne nach einem Abschied erscheint dem Protagonisten außergewöhnlich bedeutungsvoll, obwohl objektiv betrachtet kaum etwas geschah. Dieses Gefühl verdeutlicht, wie stark Emotionen und innere Reflexionen unsere Wahrnehmung der Zeit beeinflussen können.
Das Zitat regt dazu an, über die Intensität scheinbar unspektakulärer Momente nachzudenken. Oft sind es nicht die großen Ereignisse, die das Leben prägen, sondern die stillen, emotional aufgeladenen Augenblicke, in denen wir unsere tiefsten Gefühle und Gedanken erleben. Ebner-Eschenbach erinnert uns daran, dass die Qualität des Erlebens nicht von äußeren Ereignissen, sondern von der inneren Resonanz abhängt.
Dieses Zitat inspiriert dazu, solche Momente der Stille und Reflexion zu schätzen. Es lädt dazu ein, sich nicht nur von äußeren Ereignissen leiten zu lassen, sondern die Tiefe und Bedeutung im Alltäglichen zu suchen. Ebner-Eschenbachs Worte sind ein Appell, achtsamer zu sein und die Bedeutung selbst kleinster Zeitabschnitte für unser Leben wahrzunehmen.
Zitat Kontext
Marie von Ebner-Eschenbach, eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts, widmete sich oft den subtilen und emotionalen Facetten des menschlichen Lebens. Dieses Zitat spiegelt ihre Fähigkeit wider, die Tiefe in alltäglichen Momenten und Gefühlen zu erfassen. Sie lebte in einer Zeit, in der literarische Werke zunehmend die Komplexität der individuellen Wahrnehmung und des Innenlebens betonten.
Im historischen Kontext des Realismus und der beginnenden Moderne steht dieses Zitat exemplarisch für die zunehmende Auseinandersetzung mit subjektiver Erfahrung und emotionaler Tiefe. Ebner-Eschenbachs Schriften zeigen, wie persönliche Erlebnisse und Reflexionen universelle menschliche Themen berühren können.
Auch heute ist dieses Zitat von Bedeutung, da es uns daran erinnert, dass emotionale Intensität und innere Erfahrungen oft eine größere Rolle spielen als äußere Ereignisse. Es lädt dazu ein, die kleinen, stillen Momente des Lebens zu würdigen und ihre Bedeutung für unsere persönliche Entwicklung zu erkennen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Marie von Ebner-Eschenbach
- Tätigkeit:
- Österreichische Schriftstellerin
- Epoche:
- Realismus
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- Emotion:
- Keine Emotion