Man redet gegen die Lotterie, ohne zu bedenken, daß sie die einzige Spekulation der Armen ist. Die Lotterie verbieten heißt: dem das Reich der Träume verwehren, dem die Wirklichkeit ohnedies nichts geboten.
- Johann Nepomuk Nestroy

Klugwort Reflexion zum Zitat
Johann Nepomuk Nestroy beschreibt in diesem Zitat die Lotterie als eine Hoffnung für diejenigen, die sonst keine realen Chancen auf wirtschaftlichen Aufstieg haben. Während viele Menschen Lotterien als eine Form des Aberglaubens oder der finanziellen Ausbeutung betrachten, sieht Nestroy sie als eine letzte Möglichkeit für die Armen, sich an einen Traum zu klammern.
Dieses Zitat spricht über eine grundlegende menschliche Sehnsucht: die Hoffnung auf ein besseres Leben. Besonders für jene, die durch soziale und wirtschaftliche Umstände kaum eine realistische Chance auf Wohlstand haben, wird die Lotterie zu einer Fantasie der Erlösung. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit eines Gewinns gering ist, bietet sie doch einen psychologischen Trost.
Nestroy kritisiert nicht unbedingt die Lotterie selbst, sondern vielmehr eine Gesellschaft, die es armen Menschen schwer macht, durch eigene Anstrengungen aufzusteigen. Die Lotterie wird zur „einzigen Spekulation der Armen“, weil andere Wege versperrt sind. Sie mag irrational erscheinen, doch sie ist oft der letzte verbleibende Funken Hoffnung.
Dieses Zitat fordert dazu auf, sich kritisch mit sozialen Ungleichheiten auseinanderzusetzen. Es stellt die Frage: Warum benötigen Menschen überhaupt solche spekulativen Hoffnungen? Ist es nicht ein Zeichen gesellschaftlichen Versagens, wenn die ärmeren Schichten auf Glücksspiele angewiesen sind, um dem Alltag zu entfliehen?
Zitat Kontext
Johann Nepomuk Nestroy (1801–1862) war ein österreichischer Dramatiker und Satiriker, bekannt für seine scharfsinnigen Gesellschaftskritiken. Seine Werke spiegelten die sozialen Missstände seiner Zeit wider und hinterfragten die Strukturen, die Armut und Ungleichheit aufrechterhielten.
Das Zitat stammt aus einer Zeit, in der Lotterien ein weit verbreitetes, aber kontroverses Phänomen waren. Während die wohlhabende Schicht die Lotterie oft als eine Form der Ausbeutung betrachtete, war sie für die Armen eine Möglichkeit, aus ihrer Misere auszubrechen. Nestroy erkannte die emotionale und soziale Funktion des Glücksspiels.
Seine Worte sind heute noch aktuell. In vielen modernen Gesellschaften sind Lotterien weiterhin ein Mittel, durch das vor allem einkommensschwache Menschen Hoffnung schöpfen. Das Zitat wirft die Frage auf, ob es fair ist, diese Träume zu verurteilen, ohne die zugrunde liegenden wirtschaftlichen Probleme anzugehen. Es bleibt eine scharfe Beobachtung darüber, wie sich Hoffnung und soziale Realität überschneiden.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Johann Nepomuk Nestroy
- Tätigkeit:
- österr. Schauspieler, Dramatiker, Satiriker
- Epoche:
- Biedermeier
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- Emotion:
- Keine Emotion