Kriegsmüde – das ist das dümmste von allen Worten, die die Zeit hat. Kriegsmüde sein, das heißt müde sein des Mordes, müde des Raubes, müde der Lüge, müde der Dummheit, müde des Hungers, müde der Krankheit, müde des Schmutzes, müde des Chaos. War man je zu all dem frisch und munter? … Kriegsmüde hat man immer zu sein, das heißt nicht nachdem, sondern ehe man den Krieg begonnen hat.
- Karl Kraus

Klugwort Reflexion zum Zitat
Karl Kraus' Zitat ist eine scharfe Kritik an der Sprache und den Gedanken, die Krieg als unvermeidliche Phase des menschlichen Handelns akzeptieren. Der Begriff 'kriegsmüde' wird hier zerpflückt, um die Absurdität und Heuchelei hinter seiner Verwendung offenzulegen. Kraus fragt pointiert, wie jemand jemals 'frisch und munter' gegenüber all den Schrecken sein konnte, die ein Krieg mit sich bringt. Mord, Raub, Lüge und Chaos – all dies sind Begleiter des Krieges, deren Akzeptanz bereits ein moralisches Versagen darstellt.
Kraus plädiert für eine grundsätzliche Antikriegshaltung, die nicht erst nach den ersten Grausamkeiten eintritt, sondern im Vorfeld jedes Konflikts bestehen muss. Indem er die Ironie und Widersprüchlichkeit des Begriffs 'kriegsmüde' aufzeigt, fordert er eine tiefere Reflexion über die Ursachen und Rechtfertigungen von Krieg. Für den Leser ist dies eine Mahnung, den Krieg nicht als unvermeidlichen Zustand zu akzeptieren, sondern ihn aktiv zu verhindern.
Dieses Zitat inspiriert dazu, kritisch über die Sprache nachzudenken, die Gewalt und Unmenschlichkeit legitimiert. Es fordert dazu auf, Verantwortung nicht erst nach den Zerstörungen, sondern schon in der Entscheidungsfindung zu übernehmen und Krieg als moralisches und menschliches Scheitern zu erkennen.
Zitat Kontext
Karl Kraus war ein österreichischer Schriftsteller und Satiriker, der vor allem durch seine scharfe Gesellschaftskritik und seine Essays bekannt wurde. Während des Ersten Weltkriegs war Kraus ein lautstarker Kritiker der Kriegspropaganda und der moralischen Verrohung, die er im öffentlichen Diskurs beobachtete. Sein Zitat spiegelt die tief verwurzelte Abneigung gegen die Glorifizierung und Rechtfertigung von Kriegen wider.
Die Verwendung des Begriffs 'kriegsmüde' war zur Zeit von Kraus populär, insbesondere in der Berichterstattung und im politischen Diskurs während und nach dem Ersten Weltkrieg. Kraus entlarvt die Heuchelei hinter diesem Begriff, da er suggeriert, dass Menschen zu Beginn eines Krieges diese Grausamkeiten akzeptieren oder gar unterstützen. Seine Worte betonen, dass eine Ablehnung von Krieg nicht erst nach seinen Konsequenzen, sondern schon vor seiner Entstehung erforderlich ist.
Dieses Zitat bleibt auch heute relevant, da Kriege und Konflikte weltweit anhalten. Kraus' Aufruf zur Reflexion über Sprache und Verantwortung fordert uns auf, die moralischen Implikationen von Gewalt und Krieg zu überdenken. Es erinnert daran, dass Frieden nicht nur das Ende von Krieg ist, sondern eine Haltung, die jeden Schritt in Richtung eines Konflikts hinterfragen muss.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Karl Kraus
- Tätigkeit:
- österreichischer Schriftsteller, Publizist, Satiriker und Dramatiker
- Epoche:
- Moderne
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- Emotion:
- Keine Emotion