Kein Kleiner braucht zu fürchten, dass man ihm verbietet, seine glänzende Traube von der Traube der politischen Macht zu pflücken, diese Frucht, die angeblich so voller Reichtum und Ruhm ist. Kann nicht jede Bande ein Klub werden? und jeder Klub eine Versammlung? eine Versammlung, ein Konvent? ein Konvent, ein Senat? und ist ein Senat nicht dazu da, zu regieren? Und welcher Senat hat jemals regiert, ohne einen Mann, der ihn regiert? Und was brauchte es dafür? - Wagemut! - Aha! Gut gesagt! - Was! Ist das alles, was es braucht? - Ja, alles! Diejenigen, die angekommen sind, sagen es. - Dann traut euch, ihr Dummköpfe, gebt die Zunge raus und rennt los! - So wird's gemacht
- Alfred de Vigny

Klugwort Reflexion zum Zitat
In diesem Zitat von Alfred de Vigny wird die politische Macht und die damit verbundene Verantwortung auf eine satirische Weise hinterfragt. Der Sprecher stellt die Vorstellung von politischer Macht als etwas dar, das jedem zugänglich ist, jedoch gleichzeitig die Hürden für den Zugang zur Macht als weit geringer darstellt, als allgemein angenommen wird. Die Metapher von der glänzenden Traube, die auf den ersten Blick nach Reichtum und Ruhm strebt, ist eine kritische Reflexion über den realen Wert und die Substanz der Macht, die oft durch Wagemut und nicht durch Kompetenz oder moralische Qualitäten erreicht wird.
Die Frage, was es braucht, um Macht zu erlangen, wird einfach und ironisch mit „Wagemut“ beantwortet, was eine scharfe Kritik an der Realität der Politik ist, in der oft nicht die besten Qualifikationen, sondern der Mut oder die Skrupellosigkeit eines Einzelnen entscheidend sein können. Die Aufforderung, „die Zunge rauszugeben und loszulaufen“, ist ein Bild für die Entschlossenheit und die Risikobereitschaft, die notwendig sind, um die politischen Mechanismen zu durchbrechen.
Das Zitat regt dazu an, über den realen Wert von politischer Macht nachzudenken und wie oft der Zugang zu dieser Macht durch Mut und Durchsetzungsvermögen statt durch ethische Überlegungen oder intellektuelle Eignung bestimmt wird. Es fordert uns dazu auf, die oft unbeständigen und fragwürdigen Grundlagen der politischen Führung kritisch zu hinterfragen.
Zitat Kontext
Alfred de Vigny war ein französischer Dichter und Dramatiker des 19. Jahrhunderts, der für seine Werke bekannt ist, die oft die Themen Verantwortung, Macht und die Schwierigkeiten des Lebens behandeln. In diesem Zitat reflektiert Vigny auf satirische Weise über den Zugang zur politischen Macht und den Wert von Autorität und Einfluss in der Gesellschaft.
Historisch betrachtet wurde dieses Zitat in einer Zeit verfasst, in der die politischen Strukturen in Frankreich, wie auch in anderen Teilen Europas, durch Revolutionen und politische Umwälzungen geprägt waren. Die französische Gesellschaft war von einer großen Unzufriedenheit mit den bestehenden Machtstrukturen geprägt, und es gab eine weit verbreitete Wahrnehmung, dass politische Macht oft nicht durch Verdienste, sondern durch Mut und Durchsetzungsvermögen erlangt wurde.
Philosophisch betrachtet steht das Zitat im Einklang mit Vignys kritischem Blick auf die Gesellschaft und die politischen Eliten. Es fordert uns heraus, über die wahre Natur der Macht nachzudenken und wie sie in einer Welt oft von der Bereitschaft abhängt, Risiken einzugehen und Normen zu verletzen, anstatt durch Tugend oder Verdienst erlangt zu werden.
Auch heute bleibt dieses Zitat relevant, da es uns dazu anregt, die Grundlagen von politischer Macht und Führung zu hinterfragen und die Prozesse zu betrachten, durch die Macht in der Gesellschaft verteilt wird. Es erinnert uns daran, dass nicht immer diejenigen, die die höchsten Positionen erreichen, auch die qualifiziertesten oder moralischsten sind.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Alfred de Vigny
- Tätigkeit:
- franz. Schriftsteller
- Epoche:
- Romantik
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- Emotion:
- Keine Emotion